Persönliche Gesundheit

Der rosa Zettel hat wohl bald ausgedient: So funktioniert das neue E-Rezept bei Arzt & Apotheken

Kampf gegen die Zettelwirtschaft: Medikamente sollen sich künftig per QR-Code abholen lassen. Was die verpflichtende Einführung des E-Rezepts derzeit noch verhindert und was Patienten künftig bei Arzt & Apotheke beachten müssen, erfahren Sie hier.

Wo ist bloß mein Rezept? Die Suche nach dem rosa Zettelchen in Hose, Mantel, Portemonnaie oder Handtasche könnte bald der Vergangenheit angehören – das elektronische Rezept soll den Zettelkram ablösen. Die verpflichtende Einführung in Praxen und Apotheken zum 1. Januar 2022 wurde jetzt aber kurz vor dem Startschuss verschoben.

Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die Praxen, Kliniken und Apotheken in ihren Verwaltungssystemen die nötigen Software-Updates haben. Vor einiger Zeit wurde bereits die offizielle App für das elektronische Rezept (E-Rezept) in den App-Stores von Apple und Google zum kostenlosen Download bereitgestellt.

Allerdings: Es sei deutlich geworden, das "die erforderlichen technischen Systeme noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen", heißt es in einem Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums.. Nun soll "der kontrollierte Test- und Pilotbetrieb in den kommenden Wochen schrittweise fortgesetzt und ausgeweitet werden". Ein neuer Termin, ab dem die Pflicht greift, steht noch nicht fest.

Download: Die App "E-Rezept" können Sie sich kostenlos und virengeprüft für Android und iOS bei CHIP herunterladen.

gematik

Mit der App können Sie Rezepte zukünftig per Scan importieren und einlösen.

Das elektronische Arztrezept kommt – aber wann?

Derzeit bekommen gesetzlich Versicherte jedes Jahr etwa 500 Millionen Verschreibungen. In der Zukunft sollen sie einen QR-Code erhalten, entweder per App im Smartphone oder – falls man E-Rezept noch nicht heruntergeladen hat – auch ausgedruckt.

Der Zugriff auf die Digitalverschreibung über die App kann praktisch sein, etwa wenn man eine Videosprechstunde wahrgenommen hat und der Arzt danach kein Papierrezept per Post schicken muss. Ganz verschwinden werden die Papierrezepte aber nicht, zum Beispiel bei Hausbesuchen. Für Privatversicherte gilt das Digitalrezept nicht.

Die App für das E-Rezept stammt von der Gematik GmbH, die mehrheitlich dem Bund gehört und für den Aufbau eines sicheren Gesundheitsdatennetzes verantwortlich ist. Das Bundesgesundheitsministerium und die Gematik versprechen sich vom E-Rezept eine höhere Arzneimittelsicherheit für die Patienten, wenn alle eingenommenen Arzneimittel mit Blick auf Neben- und Wechselwirkungen kontinuierlich geprüft werden. Außerdem soll der gesamte Ablauf von der Verschreibung in den Arztpraxen über die Abholung durch die Patienten bis hin zur Abrechnung bei den Krankenkassen viel effizienter gestaltet werden.

Technische Hürden: E-Rezept-Start in Deutschland

Mohssen Assanimoghaddam/dpa Das E-Rezept soll zum Jahresanfang 2022 kommen. Allerdings haben einzelne Arztpraxen bis Ende Juni 2022 Zeit für die Umstellung.  

Die Gesundheitsbranche reagierte erleichtert auf die Verschiebung des Pflichtstarts. "Die erschreckend geringe Anzahl an erfolgreich ausgestellten E-Rezepten zeigt, dass eine echte und erfolgreiche Testphase fehlt", hieß es vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt wies darauf hin, dass Anfang Dezember lediglich 42 E-Rezepte ausgestellt und erfolgreich abgerechnet worden seien. Intensive flächendeckende Tests seien notwendig.

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) betonte, man sei für das E-Rezept und die zügige Einführung. Die Apotheken seien bereit. "Aber betrachtet man den kompletten Prozess von der Verordnung über die Einlösung und Quittierung bis hin zur Abrechnung des eRezeptes, dann gibt es noch erhebliche technische Probleme", sagte der DAV-Vorsitzende Thomas Dittrich. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sprach von einer "späten, aber richtigen Einsicht".

  • Download bei CHIP: E-Rezept – Android App
  • Download bei CHIP: E-Rezept iPhone- / iPad-App Christoph Dernbach/dpa

FAQs: Das müssen Patienten über das E-Rezept wissen

In einigen Arztpraxen und Apotheken der Testregion Berlin-Brandenburg können Patienten schon seit Anfang Juli statt des alten rosa Papierrezepts auch ein elektronisches Rezept auf dem Smartphone vorzeigen. Geplanter Start für das E-Rezept in ganz Deutschland war eigentlich der 1. Januar 2022.

"Für den Patienten sehen wir durch das E-Rezept hauptsächlich Vorteile", sagt Sabine Wolter, Referentin für Gesundheitsrecht bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Dem Patienten werden Wege erspart." Die Testphase werde zeigen, wo eventuell noch Nachsteuerungsbedarf bestehe, so die Verbraucherschützerin.

Wo und ab wann gibt es das E-Rezept?

Bereits am 1. Juli 2021 startet das elektronische Rezept in Berlin und Brandenburg. "In dieser sogenannten Fokusregion sind es etwa 50 Arztpraxen und 120 Apotheken, die das E-Rezept testen und bewerten", sagte Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Das sei in der Region etwa jede zehnte Apotheke. In teilnehmenden Praxen können Patientinnen und Patienten wahlweise ein Papier- oder ein E-Rezept bekommen.

Vorgesehen war, zum 1. Januar 2022 das E-Rezept für alle gesetzlich Versicherten und alle Vertragsärzte in Deutschland verpflichtend zu machen. Der Startschuss wurde aber kurz vor dem Jahreswechsel verschoben.

Nun soll "der kontrollierte Test- und Pilotbetrieb in den kommenden Wochen schrittweise fortgesetzt und ausgeweitet werden". Ein neuer Termin, ab dem die Pflicht greift, steht noch nicht fest.

Was ist mit privat Versicherten?

Das blaue Rezept für Privatversicherte gibt es auch nach Einführung des E-Rezepts weiter in Papierform. "Auch privat Versicherte sollen zukünftig einen Zugang zum E-Rezept erhalten", sagt Verbraucherschützerin Wolter. Nach Angaben der ABDA werden hier noch Konzepte für eine benutzerfreundliche Abrechnung erarbeitet. Zurzeit müssen Privatversicherte in der Apotheke jeweils in Vorleistung gehen und anschließend das Rezept mit ihrer Krankenversicherung abrechnen.

Ähnlich läuft es, wenn gesetzlich Versicherte alternative Medikamente erhalten, für die keine Rezeptpflicht besteht. Diese können sie zum Teil später bei der Krankenkasse einreichen. Auch hier stellen Ärztinnen und Ärzte weiterhin ein grünes Papierrezept aus.

Und wie funktioniert nun das E-Rezept?

Wer ein Smartphone besitzt, lädt sich zunächst die kostenlose E-Rezept-App herunter. Die App wurde von der Gematik entwickelt, die für die Telematikinfrastruktur in Deutschland verantwortlich ist. Das Bundesgesundheitsministerium ist Hauptanteilseigner dieser Gesellschaft.

Hat man die App auf dem Smartphone, verordnet der Arzt ein bestimmtes Medikament nicht mehr auf Papier, sondern digital. "Man bekommt einen speziellen Code auf seine Handy-App", erklärt Verbraucherschützerin Wolter. Den kann man in der Apotheke selbst vorzeigen oder man übermittelt ihn, um sich etwa die Arznei liefern zu lassen. Damit das alles klappt, muss das Smartphone den NFC-Übertragungsstandard unterstützen und mindestens iOS 12 oder Android 6 als Betriebssystem haben, erklärt die Gematik.

Zudem ist eine elektronische Gesundheitskarte mit NFC-Funktion nötig. Das sei an der sechsstelligen Zugangsnummer unter den Deutschland-Farben der Karte erkennbar. Zudem braucht man die PIN-Nummer der Karte. Wer die PIN nicht hat, fragt bei der Krankenkasse nach.

Wer sich nicht mit der Gesundheitskarte in der App anmelden kann – sei es, weil das Smartphone nicht den Vorgaben entspricht oder man die Karten-PIN nicht parat hat -, kann sie nur abgespeckt nutzen: Um den Rezeptcode in der Arztpraxis vom Ausdruck abzuscannen, ihn in der App zu speichern und in der Apotheke auf dem Smartphone vorzuzeigen. Der Mehrwert dieser Funktionalität allein ist eher dürftig.

Generell gut zu wissen: Auch in Versandapotheken ist ein E-Rezept einlösbar. Abgerechnet wird wie bisher: direktzwischen Apotheke und gesetzlicher Krankenkasse.

Was mache ich, wenn ich gar kein Smartphone habe?

Dann wird der Code in der Praxis auf Papier ausgedruckt – diese Option besteht weiterhin und ist ja auch nötig, wenn man zwar die App hat, aber dort nicht mit der Gesundheitskarte angemeldet ist und den Code deshalb wie oben beschrieben abscannen muss.

Der ausgedruckte Code kann in der Apotheke genauso eingelesen werden wie der digitale. Wer kein Smartphone hat, wird also nicht ausgeschlossen.

Welche Vorteile soll das E-Rezept für mich bringen?

Es soll idealerweise manchen Weg ersparen. "Im Grunde kann ein Patient vom Arzt nach Hause oder zur Arbeit gehen, in der App nach einer Apotheke suchen und eine unverbindliche Anfrage stellen, ob das Arzneimittel vorhanden ist", erklärt Wolter. So hat man die Option, als Patient nur dann zu bestellen, wenn eine Arznei vorrätig ist.

Bietet die Apotheke einen Botendienst an, bringt sie einem das Medikament vielleicht direkt abends vorbei. Die Verbraucherschützerin rechnet damit, dass sich Botendienste von Apotheken mit dem E-Rezept noch weiter etablieren.

Wer ein Folgerezept braucht, zum Beispiel bei chronischen Erkrankungen, kann durch das E-Rezept eventuell auf den Gang zum Arzt verzichten. Kennt der Arzt den Patienten samt der Krankengeschichte, reicht ein Anruf. "Wenn jemand nicht gut zu Fuß ist oder das Haus nicht verlassen will, kann der Arzt auf einen Anruf hin ein Medikament verordnen und ein E-Rezept schicken", sagt ABDA-Präsidentin Overwiening.

Zudem können auf der App Hinweise zur Einnahme und Dosierung sowie der Medikamentenplan hinterlegt werden. Ein gewünschter Effekt davon ist, so Verbraucherschützerin Wolter: "Der Apotheker sieht, was für Arzneimittel der Patient bereits einnimmt, und merkt, wenn sich vielleicht etwas nicht verträgt."

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