Persönliche Gesundheit

6 Fakten zu Masern: Darum ist die Impfpflicht richtig – ohne Einschränkung

Jens Spahn will die Masernimpfung per Gesetz verordnen. Gegen eine verpflichtende Regelung kann man argumentieren. Wissenschaftlich spricht alles für die Masernimpfung. Hier sind die 6 wichtigsten Gründe.

Seit Jahren argumentieren Mediziner für die Wichtigkeit der Masernimpfung. Doch bei den überzeugten Impfgegnern stoßen sie auf taube Ohren. Jetzt macht Gesundheitsminister Jens Spahn ernst: Er hat ein Gesetz auf den Weg gebracht, das eine Impfung ab März 2020 verpflichtend macht.

Bei Eintritt in die Kita oder Schule müssen Eltern für ihre Kinder ab dann die Impfung vorweisen. Für Kinder, die schon im Kindergarten oder in der Schule sind, muss bis spätestens 31. Juli 2021 nachgewiesen werden, dass sie geimpft sind oder die Masern schon hatten.

Impfpflicht besteht auch für Erzieherinnen und Erzieherin Kitas, für Lehrer, Tagesmütter und für Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen oder „Gemeinschaftseinrichtungen“. Dazu zählen auch Asyl- und Flüchtlingsunterkünfte.

Ausnahmen gibt es nur, wenn ein ärztliches Attest nachweist, dass eine Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht ratsam ist. Auch alle vor 1970 Geborene sind von der Impfpflicht befreit, da sie größtenteils immun sein dürften, weil sie die Masern durchgemacht haben.

Zwar sehen auch viele Mediziner den Zwang zu dieser gesundheitlichen Maßnahme kritisch, aber gegen die Impfung an sich spricht nichts. Ganz im Gegenteil:

Diese sechs Gründe sprechen für die Masernimpfpflicht

1. Die Impfung ist effektiv

Die Immunisierung mit Antigenen kann das Erkrankungsrisiko gegen Null senken. Die entsprechenden Zahlen für Deutschland stammen aus der ehemaligen DDR, wo die verpflichtende Impfung 1970 eingeführt wurde. Mit der Einführung der 2. Impfung – zur Absicherung des Schutzes durch die 1. Immunisierung – gab es dort keine Masernausbrüche mehr.

2. Die Impfung schützt alle – auch die, die nicht geimpft werden dürfen

Masern sind hochansteckend. In einer nicht geimpften Gruppe stecken sich in kurzer Zeit so gut wie alle nach dem Dominoprinzip an. Um die Ansteckungswelle zu unterbinden, müssen 95 von 100 Menschen geimpft sein. Durch die sogenannte Herdenimmunität sind auch diejenigen geschützt, die nicht geimpft sind beziehungsweise (noch) nicht geimpft werden dürfen. Das sind etwa Säuglinge unter sechs Monaten, Menschen mit einer Immunschwächekrankheit oder nach einer Organtransplantation.

Was die neue Impfpflicht für uns bedeutet, lesen Sie hier.

3. Die Impfung verhindert Symptome und Komplikationen

Masern galten lange als eher harmlose Kinderkrankheit, mit Ausschlag und Fieber. Diese Symptome können auch bei der Impfung auftreten, aber sehr viel seltener und schwächer als bei der Erkrankung.

Heute ist klar, dass die Maserninfektion ungleich höhere Komplikationsraten mit sich bringt als die Impfung. Es kann zu Mittelohr- und Lungenentzündungen kommen, seltener auch zu Gehirnentzündungen. Immerhin tritt in jedem 500. Masernfall eine akute, in jedem 1000. bis 3000. Fall noch Jahre später eine tödliche Hirnentzündung auf. Gefährdet ist vor allem, wer im Säuglingsalter an Masern erkrankte.

4. Die Impfung ist verträglich

Zu 14 Impfungen in kurzer Zeit wird Eltern für ihre Kinder geraten. Da ist die Sorge naheliegend, ob so viele fremde Stoffe den kleinen Organismus und sein noch schwaches Immunsystem nicht überfordern. Die Zahl der Antigene ist allerdings so klein wie möglich gehalten.

In der Masernimpfung sind es zehn, für alle Impfungen zusammen 150 Antigene. Das klingt viel, aber zum Vergleich: die frühere Pockenimpfung allein enthielt fast 200 Antigene. Sie ist heute nicht mehr nötig, weil die Massenimpfung diese schwere Krankheit bei uns ausgerottet hat.

5. Die Impfung kann die Masernviren ausrotten

Die Weltgesundheitsorganisation hat einmal das ehrgeizige Ziel ausgegeben, die Masern auf allen Kontinenten auszurotten. In Deutschland hätte dieses Ziel ursprünglich 2015 erreicht sein sollen, aber auch das nächste Ziel, 2020, wird nicht zu halten sein. Mit einer derzeitigen Impfquote von knapp 93 Prozent und großen Impflücken bei den nach 1970 Geborenen, kommt es bei uns immer wieder zu regionalen Masern-Ausbrüchen. In diesem Jahr wurden auch schon wieder 500 Masernfälle registriert.

6. Die Impfung ist billiger als die Krankheit

Eine komplette Masernimpfung mit den zwei Dosen kostet weniger als 100 Euro. In der üblichen Kombi-Impfung ist auch der Schutz gegen Röteln und Mumps enthalten. Auch der Zeitaufwand ist für Eltern gering. Das ist wichtig, wenn sie berufstätig sind.

Erkrankt ein Kind an Masern, muss es betreut werden, und die Arbeitskraft mindestens eines Elternteils fällt aus. Muss ein Masernpatient ins Krankenhaus – und das waren 2017 immerhin 40 Prozent, haben die Krankenkassen Kosten von gut 2000 Euro im Schnitt errechnet. Eine Masernimpfung ist insofern auch ein gesellschaftliches Handeln für die Gemeinschaft.

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