Gesundheit

Zahnarzt droht Mitarbeitern: Ohne Corona-Impfung gibt es kein Gehalt

Sehnsüchtig wurde darauf gewartet, nun stehen endlich Impfstoffe gegen Covid-19 zur Verfügung. Doch die Frage "Impfen oder nicht?" spaltet die Gesellschaft. Viele Bürger misstrauen dem Impfstoff, halten ihn für zu wenig erforscht und befürchten bisher unbekannte Langzeitfolgen. Gleichzeitig wird diskutiert, inwiefern es vertretbar wäre, ungeimpfte Menschen in bestimmten Kontexten zu benachteiligen.

Impfstart in Deutschland


Impfpflicht, Nebenwirkungen und Kosten – das sollten Sie über die Corona-Impfung wissen

Ein Zahnarzt aus Oberbayern hat dazu eine klare Meinung: Er möchte nur geimpfte Mitarbeiter in seiner Praxis sehen. Der Mediziner aus dem Landkreis Pfaffenhofen führt damit in seinen beiden Praxen quasi eine eigene Impfpflicht ein. "Es werden alle Mitarbeiter und Zahnärzte geimpft. Wer die Impfung nicht möchte, wird ohne Gehalt von der Arbeit freigestellt", zitiert der "Pfaffenhofer Kurier" aus einem Schreiben des Zahnarzts an seine Belegschaft. Nach Drohungen möchte er in der Öffentlichkeit anonym bleiben.

Corona-Impfpflicht: Zahnarzt will notfalls vor Gericht gehen

Zwar ist der Impfstoff in Deutschland noch knapp, doch diese Ausrede lässt der Arzt nicht gelten. Für seine Mitarbeiter hatte er laut Bericht der Zeitung bereits Termine im lokalen Impfzentrum vereinbart. Die Begründung für sein Vorgehen: "Wenn sich einer meiner Patienten mit Corona infiziert, dann stehe ich dafür gerade. Und wen ich beschäftige, entscheide ich." Er wolle, dass seine Mitarbeiter "einen optimalen Schutz kriegen": "Ich bin davon ausgegangen, dass alle juhu schreien."

Laut "Bild"-Zeitung folgten die Mitarbeiter zum größten Teil der Anweisung ihres Chefs und ließen sich impfen. Doch der Zahnarzt bekam auch jede Menge Gegenwind, nachdem sein Vorgehen öffentlich geworden war. Im Internet gab es Morddrohungen gegen ihn, berichtet die "Bild", der Arzt musste seine Facebook-Seite abschalten. Auf Google ist der Webauftritt seiner Praxis noch einzusehen, dort häufen sich die negativen Bewertungen von Impfgegnern.

Impfpflicht im Gesundheitsbereich „denkbar“

"Ich stehe sehr hinter dieser Impfung", sagte der Mediziner dem "Pfaffenhofener Kurier". Er sei bereit, seine Haltung auch vor Gericht zu verteidigen, sollten Mitarbeiter dagegen klagen. Die Bundesregierung hatte stets betont, es solle keine Impfpflicht in Deutschland geben. Wirtschaftsbetriebe dürfen allerdings von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und eigene Regeln definieren. Die australische Airline Qantas hat schon angekündigt, nur geimpfte Passagiere befördern zu wollen. Auch in Deutschland ist es möglich, dass beispielsweise Restaurants nur noch Gäste akzeptieren, die eine Corona-Impfung nachweisen.

Besondere Bedeutung hat die Impfung im Gesundheitsbereich. Der Rechtsanwalt Manuel Leidinger sieht im stern-Interview eine "Gesetzesgrundlage im Infektionsschutzgesetz" für solche beschränkten Impfpflichten, wie sie in der Pfaffenhofener Zahnarztklinik eingeführt werden sollen: "Sie wäre denkbar für Pflegekräfte, für Ärzte, für Menschen, die im Krankenhaus arbeiten – also Menschen, die eben besonders gefährdet sind, sich anzustecken." Ähnliches gelte bereits jetzt bei der Masernimpfung.

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