Gesundheit

Weniger Depressionen bei Jungen durch Videospiele laut Studie – Heilpraxis

Vorteilhafte Auswirkungen von Videospielen auf die Psyche?

Oft werden Computerspiele eher mit negativen Effekten auf die Psyche assoziiert. Doch eine aktuelle Studie zeigt, dass bei Jungen, die im Alter von elf Jahren regelmäßig Videospiele spielen, dies mit einem reduzierten Risiko für depressive Symptome verbunden ist.

Die regelmäßige Nutzung von Videospielen scheint Jungen vor der Entstehung von Depressionen zu schützen, so das Ergebnis einer Untersuchung unter der Beteiligung von Forschenden des University College London. Die Studie wurde in dem englischsprachigen Fachblatt „Psychological Medicine“ publiziert.

Einfluss von Bildschirmzeit auf Kinder

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, wie verschiedene Arten von Bildschirmzeit die psychische Gesundheit junger Menschen positiv oder negativ beeinflussen können, und dass Zeit vor dem Bildschirm von Computern, Smartphones und Videospielen sich auf Jungen und Mädchen unterschiedlich auswirkt, berichten die Forschenden.

Jungen, die im Alter von elf Jahren regelmäßig Videospiele spielen, haben demnach ein geringeres Risiko, in den kommenden drei Jahren depressive Symptome zu entwickeln. Neben dieser Schutzwirkung stellten die Fachleute auch fest, dass Mädchen, die häufiger Zeit mit Social Media verbringen, mehr depressive Symptome zu entwickeln scheinen.

Anpassung der Empfehlungen zur Bildschirmzeit

„Bildschirme ermöglichen es uns, einer Vielzahl von Aktivitäten nachzugehen. Richtlinien und Empfehlungen zur Bildschirmzeit sollten auf unserem Verständnis darüber basieren, wie diese verschiedenen Aktivitäten die psychische Gesundheit beeinflussen können und ob dieser Einfluss sinnvoll ist“, erklärt der Studienautor Aaron Kandola vom University College London in einer Pressemitteilung.

Videospiele wichtige Plattform sozialer Interaktion

„Obwohl wir nicht sagen können, ob das Spielen von Videospielen tatsächlich die psychische Gesundheit verbessert, schien es in unserer Studie nicht schädlich zu sein und könnte einige Vorteile mit sich bringen. Besonders während der Pandemie waren Videospiele eine wichtige soziale Plattform für junge Menschen“, fügt der Experte hinzu.

Kandola betont, dass es wichtig sei, die Zeit zu reduzieren, die Kinder und Erwachsene im Sitzen verbringen, um die körperliche und geistige Gesundheit zu schützen. Dies bedeute aber nicht, dass Bildschirmnutzung per se schädlich ist. Der Experte war vorher auch an Untersuchungen beteiligt, bei denen festgestellt wurde, dass viel Sitzen bei Jugendlichen das Risiko von Depressionen und Angstzuständen bei Jugendlichen zu erhöhen scheint.

Bildschirmzeit Ursache für mangelnde Bewegung

Um mehr Einblick in die Ursachen dieses Zusammenhangs zu erhalten, entschieden sich die Forschenden die vor Bildschirmen verbrachte Zeit genauer zu untersuchen, da sie für einen Großteil der mangelnden Bewegung bei Jugendlichen verantwortlich ist. Zudem zeigten bisherige Studien zu diesem Thema teils widersprüchliche Ergebnisse.

Bei vielen Untersuchungen wurde nicht zwischen verschiedenen Arten von Bildschirmzeit unterschieden und unterschiedliche Auswirkungen auf die Geschlechter wurden ebenfalls häufig nicht beachtet, berichten die Forschenden. Und die Anzahl an Teilnehmenden der Untersuchungen sei meist nicht sehr groß ausgefallen.

Fragen zur Bildschirmzeit beantwortet

Bei der aktuellen Studie wurden die Daten von 11.341 Jugendlichen analysiert, welche Teil der sogenannten Millennium Cohort Study sind. Alle Teilnehmenden mussten im Alter von elf Jahren Fragen zur Zeit beantworten, die sie mit Social Media, Videospielen oder der allgemeinen Nutzung des Internets verbrachten.

Im Alter von 14 Jahren wurden die Teilnehmenden dann zu depressiven Symptomen wie beispielsweise schlechter Stimmung, Verlust von Freundschaften und Konzentrationsschwäche befragt. Der verwendete Fragebogen erfasste depressive Symptome und deren Schweregrad in einem Spektrum, ohne eine klinische Diagnose zu stellen, erklären die Forschenden.

In der Analyse berücksichtigte das Team auch andere Faktoren, welche die Ergebnisse erklären könnten, beispielsweise den sozioökonomischen Status, den Grad der körperlichen Aktivität, Berichte über Mobbing und frühere emotionale Symptome.

24 Prozent weniger depressive Symptome durch Videospiele

So fanden die Forschenden heraus, dass Jungen, die an den meisten Tagen Videospiele spielten, drei Jahre später 24 Prozent weniger depressive Symptome aufwiesen als Jungen, die weniger als einmal im Monat ihre Zeit mit Videospielen verbrachten. Dabei gilt zu beachten, dass dieser Effekt nur bei Jungen mit einem geringen Maß an körperlicher Aktivität signifikant war und bei Mädchen überhaupt nicht beobachtet wurde.

Die Fachleute erklären hierzu, dass dies darauf hindeuten könnte, dass weniger aktive Jungen mehr Freude und soziale Interaktion aus Videospielen ziehen könnten.

Positive Aspekte von Videospielen

In der Studie wurde ausdrücklich kein Kausalzusammenhang, doch die Forschenden betonen, dass es durchaus einige positive Aspekte von Videospielen gibt, welche die psychische Gesundheit stärken könnten, wie beispielsweise Problemlösung und soziale, kooperative und engagierte Elemente.

Es könnte nach Aussage des Team aber auch andere Erklärungen für den Zusammenhang zwischen Videospielen und Depressionen geben wie beispielsweise Unterschiede im sozialen Kontakt oder im Erziehungsstil der Eltern. Hierzu lagen den Forschenden allerdings keine Daten vor. Die Fachleute verfügten außerdem über keine Daten zur genauen täglichen Bildschirmzeit, so dass sie nicht sagen können, inwiefern die Dauer der Mediennutzung das Depressionsrisiko unterschiedlich beeinflusst.

Social Media erhöht bei Mädchen depressive Symptome

Die Forschenden stellten weiter fest, dass Mädchen (aber keine Jungen), die im Alter von elf Jahren an den meisten Tagen Social Media nutzten, drei Jahre später 13 Prozent mehr depressive Symptome aufwiesen als diejenigen, die weniger als einmal im Monat Social Media nutzten. In anderen Studien wurden zuvor ähnliche Trends beobachtet. Daher vermuten die Fachleute, dass die häufige Nutzung sozialer Medien das Gefühl der sozialen Isolation verstärken könnte.

Einfluss des Nutzungsverhaltens auf die Ergebnisse?

Das Nutzungsverhalten von Jungen und Mädchen könnte die Ergebnisse beeinflusst haben, da Jungen in der Studie häufiger Videospiele spielten als Mädchen und weniger häufig Zeit mit Social Media verbrachten, berichten die Forschenden. Insgesamt seien jedoch keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen allgemeiner Internetnutzung und depressiven Symptomen bei beiden Geschlechtern festzustellen.

Studienautor Dr. Mats Hallgren vom Karolinska Institutet hatte in früheren Studien mit Erwachsenen bereits festgestellt, dass geistig aktive Formen der Bildschirmarbeit wie beispielsweise das Spielen von Videospielen oder die Arbeit am Computer, das Depressionsrisiko möglicherweise nicht in dem Maße beeinflussen, wie es bei passiveren Formen der Bildschirmnutzung der Fall ist. (as)

Autoren- und Quelleninformationen

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