Gesundheit

Weil sie nicht geimpft sind – 50.000 Pflegekräfte in England fürchten um ihre Jobs

Geimpft oder nicht geimpft – das entscheidet in England inzwischen auch über die Frage, ob man seinen Arbeitsplatz behalten darf oder nicht: Seit diesem Donnerstag dürfen Zehntausende ungeimpfte Pflegekräfte nicht mehr in Heimen in diesem Landesteil Großbritanniens arbeiten. Die von der Regierung gesetzte Frist, sich vollständig gegen das Coronavirus impfen zu lassen, ist nun verstrichen.

Schätzungen von britischen Medien zufolge haben mehr als 50.000 Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen bisher das Angebot nicht genutzt, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Mehr als die Hälfte davon soll aber bisher zumindest eine Dosis erhalten haben. Einige Tausend haben Ausnahmen beantragt, weil sie sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen könnten. Die genauen, offiziellen Zahlen sollten am Nachmittag veröffentlicht werden.

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Bis April müssen zudem Angestellte des Gesundheitsdiensts NHS in England nachweisen, dass sie vollständig geimpft sind. Wer an vorderster Front des NHS arbeite und bis dahin nicht vollständig geimpft sei, riskiere seinen Arbeitsplatz, hatte Gesundheitsminister Sajid Javid am Dienstag im britischen Parlament angekündigt.

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Die Impfpflicht für pflegendes Personal schütze nicht nur Leben, sondern auch den NHS, hatte Javid argumentiert. Seinen Beschäftigten käme zudem eine besondere Verantwortung zu.

Nach Angaben des Gesundheitsministers sind je nach Region rund 80 bis 90 Prozent des NHS-Personals in England vollständig geimpft. Das bedeutet, dass etwa 80.000 bis 100.000 NHS-Mitarbeiter nicht geimpft sind – und viele fragen sich, was mit dem NHS geschieht, wenn diese ihren Arbeitsplatz verlieren. 

Denn schon jetzt führen die Krankenhäuser lange Wartelisten, da wegen der Pandemie viele Behandlungen aufgeschoben wurden. "Der NHS steht diesen Winter bereits unter größtem Druck, wir wissen, dass fast sechs Millionen auf Wartelisten stehen", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Labour Party, Jonathan Ashworth, in dieser Woche. Er warnte, dass die Politik der Regierung, "so lobenswert sie im Prinzip auch sein mag", einige der chronischen Probleme der Unterbesetzung weiter verschärfen könnte.

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Nach Informationen des "Daily Telegraph" sind 11.688 Menschen an Covid-19 erkrankt und gestorben, nachdem sie wegen anderer Krankheiten in Krankenhäuser des NHS in England eingeliefert worden waren. Die britische Regierung ist nur für die Gesundheitspolitik in England zuständig, in den anderen Landesteilen Schottland, Wales und Nordirland sind die dortigen Regierungen verantwortlich.

Schon jetzt gibt es zu wenig Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen

In den Alten- und Pflegeheimen, wo schon seit diesem Donnerstag die Impfpflicht für Beschäftigte gilt, droht den ungeimpften Angestellten jetzt der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Sie können auch auf Stellen versetzt werden, bei denen sie keinen Kontakt zu Bewohnern haben. Wie der "Guardian" berichtete, spüren einige Heime aber bereits den Mangel an Pflegekräften. Zahlreiche Betten könnten nicht mehr betrieben werden. Verbände und Gewerkschaften forderten deshalb bis zuletzt, die Frist bis April zu verlängern.

Nach Angaben des National Care Forum haben im Durchschnitt bereits 3,5 Prozent der Beschäftigten wegen der Impfvorschrift gekündigt oder wurden entlassen. Diese Zahl werde noch weiter steigen, hieß es. Das Gesundheitsministerium betonte hingegen, die Pflicht habe die Zahl der Impfungen in die Höhe schnellen lassen – bei der Erstimpfung von 80 auf 94 Prozent der Beschäftigten in der Branche.

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