Gesundheit

Von 31.000 auf 24.000: In 11 Monaten sind in deutschen Kliniken 7000 Intensivbetten verschwunden

Ein düsteres Szenario in der Corona-Pandemie sind ausgelastete Intensivbetten. Während dies von vielen Seiten immer wieder ins Spiel gebracht wird, gibt der Blick in die Zahl der verfügbaren Betten allerdings Rätsel auf. In den vergangenen elf Monaten sind rund 7000 Stück verschwunden. Wie kann das sein?

Am 13. Mai 2020 waren für Deutschland 19.730 belegte Intensivbetten notiert, das geht aus dem DIVI-Intensivregister hervor. Dazu kamen 11.281 freie Betten – macht also insgesamt 31.011. Knapp elf Monate später sind 20.749 belegt, 3116 frei – das ergibt 23.865 (Stand 7. April, 11.50 Uhr).

Wer die Zahlen vergleicht, stellt fest, dass sich die Zahl der Betten um mehr als 7000 reduziert hat.

Hat das mit der Zahl der Notfallbetten zu tun? Innerhalb von sieben Tagen sind aktuell immerhin 10.435 weitere Intensivbetten zusätzlich aufstellbar. Vor elf Monaten wurde diese Zahl noch nicht erhoben, schwankte jedoch seit Erhebung am 1. August immer zwischen 10.000 und 12.000.

Notfallbetten stehen nur zur Verfügung, wenn Kliniken auf Not-Betrieb umstellen

Abrufbar sind diese Betten außerdem nur bedingt. Die Notfall-Reserve steht nur zur Verfügung, wenn die Kliniken auf Not-Betrieb umstellen, andere Patienten entlassen und geplante OPs absagen oder verschieben.

Während Letzteres schon heute passiert, um die Intensiv-Kapazitäten nicht zu gefährden, gehen Krankenhäuser die anderen Schritte nur im äußersten Notfall.

Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild Pflegekräfte arbeiten auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Greifswald.

Ein weiterer Faktor ist der Pflege-Schlüssel, der im vergangenen Jahr mehrfach verändert wurde. Vor der Corona-Pandemie durfte jeder Pfleger tagsüber für 2,5 Betten täglich bzw. 3,5 Betten in der Nacht verantwortlich sein.

In der ersten Welle wurde diese Grenze sogar außer Kraft gesetzt, wie Nina Meckel, Sprecherin des DIVI-Intensivregisters, zu "Bild" sagt. Doch seitdem wurde sie mehrfach verschärft.Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

Intensivbetten-Bremse Pflege-Schlüssel: Seit August wurde er zweimal verschärft

"Seit 1. August 2020 galt sie wieder, zum 1. Januar 2021 wurde sie dann noch mal verschärft", sagt Meckel. Seitdem darf ein Pfleger nur noch für zwei Betten tagsüber und für drei Betten in der nacht zuständig sein. "An sich ist das gut, da es den Pflegekräften mehr Zeit gibt, sich um Patienten zu kümmern", erklärt Meckel, nennt aber auch einen anderen Effekt: "Die Kehrseite ist: Betten, für die es kein Personal gibt, müssen ‚gesperrt‘ werden." Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Impfung finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

Ein weiteres Problem sind Infektionen von Pflegekräften. "Mit dem Start der zweiten Welle fielen Kapazitäten aus, weil sich das Personal mit Corona infiziert hatte oder wie im Herbst üblich anderweitig mal krank war. Die Stationen konnten schlicht nicht mehr besetzt werden", sagt Meckel zu "Bild". Pro Ausfall mussten im Herbst also 2,5 Betten aus der Statistik gestrichen werden.

Sorge um Pflegekräfte: "Viele steigen aus, weil Belastung zu hoch wird"

Auch die allgemeine Situation in der Pflege bereitet Sorge. "Viele Kräfte halten durch, weil sie sehen, dass sie derzeit besonders gebraucht werden. Wir sehen aber auch, dass Pflegekräfte aussteigen, weil die Belastung nach einem Jahr Ausnahmezustand zu hoch wird."

Noch deutlicher wird Prof. Felix Walcher, designierter Präsident der DIVI und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg: "Wenn wir jetzt nichts tun und die Pflegekräfte gehen, dann bekommen wir ein existenzielles Problem in der Intensivmedizin."

Der aktuelle DIVI-Chef-Professor, Dr. Gernot Marx, pflichtet bei: "Es gibt kein Intensivbett ohne Pflege."

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