Gesundheit

Virus-Forscher nimmt Zero-Covid-Strategie auseinander: Wir sind nicht China

Der US-amerikanische Epidemiologe Arnold Monto hält eine Zero-Covid-Strategie in Deutschland für schwer umsetzbar. Außerdem warnt er davor, wegen der Corona-Mutationen in Panik zu geraten. Monto forscht seit 40 Jahren über Epidemien.

Die sogenannte „Zero-Covid-Strategie“, derzufolge die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland auf nahezu Null gedrückt werden soll, hält der US-amerikansiche Epidemiologe Arnold Monto für unrealistisch. Das sagte er der „Welt“ in einem aktuellen Interview. Der 70-Jährige ist Professor an der Universität Michigan und beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Epidemien, sein Fachgebiet sind Corona- und Influenzaviren.

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Montos Meinung nach ist die Zero-Covid-Strategie schwer umsetzbar, weil man hierzulande nicht "alles dicht machen" könne. „Wir sind nicht China“, zitiert die „Welt“ den Mediziner. „Wir können nicht das öffentliche Leben, die Wirtschaft über Monate herunterfahren, wie China das getan hat. Mit Polizeipatrouillen auf der Straße“, so der US-Amerikaner weiter. In Deutschland müsse man lernen, das Virus im Alltag zu beherrschen.

Virus-Forscher: Inzidenz von null „praktisch ausgeschlossen“

Monto hält es laut Bericht für „praktisch ausgeschlossen“, eine Inzidenz von null zu erreichen. „Angenommen, Deutschland bringt die Inzidenz tatsächlich auf null, was ich für unmöglich halte“, wird der Epidemiologe zitiert, „wie lange will man dann den Frankfurter Flughafen geschlossen halten, um zu verhindern, dass das Virus erneut ins Land gelangt?“ Von den Grenzen zu den Nachbarländern einmal abgesehen.

Einige Wissenschaftler sehen das jedoch anders. So wirbt beispielsweise der Kölner Onkologe Michael Hallek für die "Zero-Covid-Strategie" und auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker sprach sich dafür aus, Lockerungen erst ab einer 7-Tage-Inzidenz von unter 10 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern zuzulassen. Anhänger der "Zero-Covid"-Strategie demonstrierten zuletzt sogar bundesweit für das Konzept, das die Corona-Infektionskurve auf Null bringen soll.

Trotz aller Null-Fälle-Plädoyers sieht das deutsche Corona-Ziel aktuell jedoch anders aus. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vergangene Woche verkündete, sollen die Beschränkungen der Bundesländer schrittweise gelockert werden, wenn die deutsche Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt. Monto blickt allerdings auch auf diese Vorgabe skeptisch. Der „Welt“ sagte er, es sei immer gut, sich ein Ziel zu setzen, „auch wenn es sehr ehrgeizig ist“. Die Frage hierbei sei jedoch, „zu welchem Preis“?  Man solle hinterher nicht in Panik verfallen, wenn das Ziel nicht erreicht werde.

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Monto über Mutationen: „Wir sollten deshalb nicht in Panik geraten“

Zudem warnt der Epidemiologe davor, wegen der zahlreichen Mutationen in Angstzustände zu verfallen. „Wir werden noch viele Varianten von Sars-Cov-2 erleben“, so Monto. „Wir sollten deshalb nicht in Panik geraten.“ Es sei nicht schwierig, die Impfstoffe an entsprechende Virus-Veränderungen anzupassen. Problematisch sei lediglich, dass der Update-Prozess einige Zeit in Anspruch nehme.

Der Virus-Forscher prognostiziert: „Vorbei wird es erst sein, wenn sich jeder infiziert hat. Oder geimpft ist.“ Allerdings wisse letztlich niemand, wie lange der Immunschutz durch die Impfstoffe gewährleistet sei.

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