Gesundheit

Therapien gehen oftmals am Patientenbedarf vorbei. Doch eine Forschungsgruppe will dies ändern

Früher, als Jörg Meerpohl noch als Kinderarzt arbeitete, erlebte er immer wieder Situationen, in denen Mediziner unterschied­liche Behandlungen für ein und dieselbe Erkrankung empfahlen. „Damals fragte ich mich, welche Therapie ist denn jetzt besser?“, sagt er. „Und wenn die eine ­besser ist als die andere, warum machen es dann nicht alle so?“

Heute leitet Meerpohl die deutsche Niederlassung der Cochrane Collaboration. Zu seinem Team gehören Biologen, Pharma­zeuten, Statistiker, Informatiker, Ernährungswissenschaftler sowie Fachleute für klinische Studien. Sie alle arbeiten sich tagtäglich durch Berge medizinischer Informationen, aus denen sie gemeinsam die Essenz destillieren: Was hilft wirklich? Und warum? Ihre Erkenntnisse sind entscheidend, damit Patienten die wirksamste Behandlung erhalten.

Qualitätskontrolle für Therapien

Rund 37.000 Wissenschaftler ar­beiten weltweit für die Cochrane Collaboration, die nach dem britischen Arzt Archibald Cochrane benannt wurde. Systematisch kontrollieren sie die Qualität von Therapien und fahnden nach ­Belegen aus wissenschaftlichen Untersuchungen. Meerpohl und seine Kollegen fassen ihre Erkenntnisse in „Reviews“ zusammen, die häufig in die sogenannten Leitlinien einfließen – das sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte. Nicht selten müssen Therapien, die lange für gut befunden wurden, besseren weichen. So wurde etwa herzschwachen Patienten häufig empfohlen, sich zu schonen. Doch vor Kurzem konnte ein Cochrane Review ­zeigen, dass die meisten Betroffenen weiter Sport treiben sollten. Ihre Gesundheit und ihre Lebens­qualität stiegen, wenn sie sich ­bewegten. Ein anderes eindrückliches Beispiel: Bei Kniearthrose glaubten Mediziner viele Jahre, die Spülung des Gelenks, bei der auch ein wenig Gewebe ­abgeschabt wird, sei von Vorteil. Doch dieser Glaube erwies sich als falsch, denn im Vergleich zu Scheinoperationen zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Für Kniepatienten enorm wichtig zu wissen, denn diesen Eingriff können sie sich sparen.

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