Gesundheit

Siemens, Adidas, Deutsche Bank: Konzerne wollen jetzt selbst impfen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will im April mit Corona-Impfungen bei niedergelassenen Ärzten beginnen. Der Immunologe Michael Meyer-Hermann kritisiert die Impfstrategie der Bundesregierung und schlägt stattdessen vor, zuerst jene zu impfen, die viele Kontakte haben. Alle aktuellen Meldungen rund um den Corona-Impfstoff und das Impfen in Deutschland lesen Sie im Ticker von FOCUS Online.

Informationen zur Coronavirus-Impfung vom 7. März 2021

  • Wer zuerst, wer zuletzt? Mit dieser Impfstrategie will Deutschland Corona besiegen
  • Die große Bundesländer-Übersicht: Hier stehen die neuen Corona-Impfzentren

Immunologe Meyer-Hermann empfiehlt komplett andere Impfstrategie: "Hätte eine viel größere Wirkung"

08.28 Uhr: Der Immunologe Michael Meyer-Hermann empfiehlt, Menschen für Corona-Impfungen nach der Menge ihrer Kontakte zu priorisieren. Jene mit vielen Kontakten zuerst zu impfen "hätte eine viel größere Wirkung", als weiter nach Alter vorzugehen, sagte der Experte vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung dem Berliner "Tagesspiegel" (Sonntag). Durch die Impfung zuerst der älteren Bevölkerung sei die Todesrate deutlich gesenkt worden – aber dies sei die Gruppe mit den wenigsten Kontakten, eine Auswirkung auf die Epidemie sei daher nicht zu erwarten. ZDF Michael Meyer-Hermann bei einem früheren Auftritt bei Maybrit Illner

Wegen der Ausbreitung der Virusvariante B.1.1.7 hält er die beschlossenen Lockerungen für gefährlich und erwartet, dass die Infektionszahlen "explosionsartig ansteigen werden" wie zuvor in Irland, England, Portugal und Tschechien. Aus Gesprächen mit Bundes- und Landesregierungen wisse er: "Man kann nicht sagen, dass die Politik nicht weiß, welche Folgen Maßnahmen haben werden."

Zugleich hält der Chef des Intensivmediziner-Verbands DIVI, Gernot Marx, ein baldiges Ende der Pandemie für realistisch – wenn sich alle an die Regeln halten und sich das Impftempo deutlich beschleunigt. "Dann werden wir die Pandemie bis Ende September besiegt haben", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Es ist sogar gut möglich, dass wir schon im Hochsommer soweit sind." Er begründete das damit, dass Daten aus Israel nahelegen, dass Geimpfte andere nicht mehr infizieren. Man könne den "sicher geglaubten Sieg" über das Virus aber auch noch verspielen, sagte er – deshalb sollten nicht alle Einschränkungen beendet werden, etwa die Maskenpflicht an Orten, an denen sich viele begegnen.

"Mehr Menschen sollten den Mut haben": Dalai Lama erhält Erstimpfung gegen das Coronavirus

22.03 Uhr: Der Dalai Lama ist gegen das Coronavirus geimpft worden und hat mehr Menschen dazu aufgerufen, es ihm gleichzutun. Das geistige Oberhaupt der Tibeter erhielt am Samstag in einem Krankenhaus der nordindischen Stadt Dharamsala die erste Dosis einer Covid-19-Impfung, wie sein Büro auf seinem offiziellen Twitterkonto mitteilte. Ein Video zeigte, wie der 85-Jährigen eine Spritze in den rechten Oberarm bekam. "Mehr Menschen sollten den Mut haben, sich für die Injektion zu entscheiden", sagte der Dalai Lama. Das sei sehr wichtig, deshalb teile er das. "Um ernsthafte Probleme zu verhindern ist diese Injektion sehr, sehr hilfreich und sehr gut."

Angaben dazu, welchen Impfstoff er erhielt, enthielt der Tweet nicht. In Indien wird neben dem heimischen Impfstoff Covaxin vor allem der Impfstoff von Astrazeneca genutzt, der unter dem Namen Covishield zu günstigen Preisen in dem Land hergestellt und auch exportiert wird.

Der Dalai Lama wirbt für die Rechte der Tibeter und will für sie im Dialog mit China kulturelle und religiöse Freiheiten innerhalb der Volksrepublik erreichen. Für seinen Einsatz wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Die chinesischen Behörden sehen ihn als Separatisten und verbieten ihm die Heimkehr. Er lebt in Indien.

Berliner über 65 können Termine für Astrazeneca-Impfung buchen

17.49 Uhr: Termine für eine Covid-19-Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca werden in Berlin von Sonntag an auch an Menschen über 65 Jahre vergeben. Das kündigte die Gesundheitsverwaltung am Samstag an. "Die bei der Buchung vorgenommene Unterscheidung in unter oder über 65-Jährige fällt weg, da der AstraZeneca-Impfstoff jetzt auch für über 65-Jährige Berliner zugelassen ist", erklärte die Behörde. Eine Impfung ist jedoch erst nach Einladung möglich. dpa/Kay Nietfeld/dpa-pool/dpa Helfer warten auf Patienten im Impfzentrum in Tegel.

Viele über 70-Jährige, die diese nun bekommen, hätten damit die Möglichkeit, einen zeitnahen Astrazeneca-Termin zu buchen, hieß es. Das Gleiche gelte für 65- bis 70-Jährige mit bestimmten chronischen Erkrankungen.

"Es ist gut, dass wir nun ein früheres Impfangebot machen können", sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). "Ich bitte alle, die eine Einladung zum Impfen erhalten, eindringlich, diese anzunehmen und sich impfen zu lassen."

Astrazeneca wird im Impfzentrum im früheren Flughafen Tegel und von nächster Woche an auch im früheren Flughafen Tempelhof verabreicht. Auch in Arztpraxen sollen in der kommenden Woche Impfungen beginnen. Die Kassenärztliche Vereinigung geht davon aus, dass auch dort zunächst Astrazeneca genutzt wird.

EU will mit Washington über Lieferung von Impfstoff-Produkten verhandeln

Samstag, 6. März, 17.39 Uhr: Die EU will mit den USA über die Lieferung von US-Produkten verhandeln, die für die Herstellung von Corona-Impfstoffen benötigt werden, aber strikten Exportbeschränkungen unterliegen. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Samstag aus EU-Kreisen erfuhr, sind am Montag Beratungen zwischen dem EU-Impfstoffbeauftragten Thierry Breton und US-Corona-Koordinator Jeffrey Zients geplant. Ziel sei eine koordinierte Zusammenarbeit mit Washington, um Material-Engpässe bei europäischen Impfstoffproduzenten zu verhindern.

Bei den Beratungen soll es unter anderem um spezielle Taschen für Impfstoff-Behältnisse gehen, die vor allem von US-Unternehmen in der EU sowie von europäischen Unternehmen in den USA hergestellt werden. Themen sollen außerdem Ampullen, Spritzen und sogenannte Lipid-Nanopartikel sein, die zur Verkapselung von mRNA-Impfstoffen benötigt werden. 

Impfstoff-Produkte können nur mit einer speziellen Genehmigung aus den USA ausgeführt werden. Ziel der Gespräche mit den USA sei nicht eine Veränderung dieser Regeln, sondern eine "Erleichterung und Beschleunigung" des "behördlichen Prozederes", hieß es aus den EU-Kreisen. "Wir handeln im Vorfeld. Wenn es soweit ist, dass die Impfstoffproduktion in Europa sich massiv erhöht, wollen wir sicher sein, dass alle Materialien da sind." Kein Gegenstand der Gespräche seien Lieferungen fertiger Impfstoffe, hieß es weiter.

Die von der EU eingeführten Exportbeschränkungen für Corona-Impfstoffe betreffen nur die fertigen Vakzine. Kürzlich wurde der Mechanismus erstmals genutzt, um die Ausfuhr von 250.000 in der EU produzierten Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs nach Australien zu stoppen. 

Jeder Impfwillige kann sich immunisieren lassen: Kreis Borken startet "Restimpfdosen-Börse"

22.43 Uhr: Der Landkreis Borken hat ein neues Projekt gestartet, bei dem sich jede impfwillige Person immunisieren lassen kann. Auf der Website des Kreises ist von einer "Restimpfdosen-Börse" die Rede – bisher seien im Velener Impfzentrum abends übrig gebliebene, nicht bis zum Folgetag lagerfähige Impfdosen Rettungsdienst-Mitarbeitern und in Behinderteneinrichtungen lebenden Menschen verabreicht worden. Da dieser Personenkreis nun weitestegehend immunisiert worden sei, könne sich nun jeder Impfwillige im Landkreis Borken online unter https://impfen.kreis-borken.de/ registrieren. dpa/Sven Hoppe/dpa/Symbolbild Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht den Covid-19 Impfstoff für eine Impfung auf eine Spritze.

Der Kreis weist jedoch darauf hin, dass die Anmeldung nicht zwangsläufig mit einem Impfangebot verbunden ist. Es werde nach wie vor "die Priorisierung der Impfgruppen gemäß CoronaImpfVerordnung angewendet" angewandt. Sollte Impfstoff übrig bleiben, würden die Personen aus der Liste mit der höchsten Priorität kontaktiert. Sie müssten dann innerhalb von 60 Minuten im Impfzentrum sein.

Impf-Termin per Zufallsprinzip: Im Saarland soll es fairer und effizienter laufen

18.57 Uhr: Um niemanden zu benachteiligen, verfolgt das Saarland um Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) eine ganze eigene Impf-Strategie. Entsprechende Termine werden nämlich per Zufallsprinzip verteilt. Darüber berichtet die "Bild". Die Termine seien sicher, die Vergabe fair und vor allem effizient.

Eine "Verlosung" sei dies jedoch nicht. Der Begriff "würde suggerieren, dass man viel Glück braucht und ein Gewinn unwahrscheinlich ist", erklärte ein Sprecher. Doch jeder Bürger auf der Impfliste werde auch geimpft. Erreichbar sei diese Liste über eine Hotline oder Online für alle Impfberechtigten der Prioritätsgruppen 1 und 2.

Ein Zufallsgenerator bestimme schließlich die Reihenfolge der Impfliste – beglaubigt von einem Notar. Wer einen Termin erhält, werde zwei Wochen im Voraus per E-Mail, SMS oder Brief kontaktiert. Der Erfolg spreche für sich: "Alle der ersten Priorisierungsgruppe, die sich seit 11. Januar eingetragen haben, werden bis Ende März vollständig oder mindestens einmalig geimpft sein."

Astrazeneca wirkt auch gegen brasilianische Corona-Mutante

17.03 Uhr: Gute Nachrichten aus England: Der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca wirkt auch gegen die brasilianische Mutation des Coronavirus. Das hat eine Studie der Universität Oxford herausgefunden, über die eine mit der Untersuchung vertraute Person die Nachrichtenagentur Reuters informierte. Das Vakzin muss demnach nicht auf die Virus-Variante abgestimmt werden.

Schlechte Nachrichtengibt es hingegen für den Impfstoff von Coronavac. Das chinesische Vakzin soll laut der Studie möglicherweise zuschwach sein, um der brasilianischen Mutation standzuhalten und zu wirken. Das hätten acht Untersuchungen des Blutplasmas von damit geimpften Patienten gezeigt.Die Information stammt aus einer vorab veröffentlichten Studie der Universität von Sao Paulo und der Washington University School of Medicine sowie anderer Institutionen.

Brüssel verteidigt Export-Blockade von Impfstoff nach Australien

16.19 Uhr: Die EU-Kommission hat die Export-Blockade Italiens für den Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca verteidigt. Wenn ein EU-Land einen Exportantrag blockiere, "bedeutet dies, dass das Unternehmen sehr weit davon entfernt ist, seine Verpflichtungen einzuhalten", sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde. Der Schritt sei eine Ausnahme, die EU "bleibt ein großer Impfstoff-Exporteur".

Die italienischen Behörden hatten am Donnerstag die Ausfuhr von 250.000 für Australien bestimmte Impfdosen des in Italien hergestellten Astrazeneca-Mittels gestoppt. Begründet wurde dies mit der anhaltenden Impfstoff-Knappheit in der EU und den Lieferverzögerungen bei dem für die EU bestimmtem Astrazeneca-Impfstoff. Die EU-Kommission stimmte der Anordnung aus Rom zu.

Es war das erste Mal, dass ein EU-Land von der im Januar von Brüssel eingeführten Möglichkeit von Impfstoff-Exportbeschränkungen Gebrauch machte. Hintergrund für diesen Schritt war die Ankündigung des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca gewesen, in den ersten Monaten deutlich weniger Impfstoff an die EU zu liefern als zunächst zugesagt. Gleichzeitig wurden von dem Unternehmen aber Großbritannien und andere Drittländer in vollem Umfang beliefert.

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