Gesundheit

Schutz vor Corona: Spender befreit nach stern-Artikel Arztpraxis aus einer Notlage

An diesen Anruf wird sich Victor Lorenzo da Silva vermutlich noch lange erinnern. Dem stern hatte der deutsch-spanische Arzt berichtet, dass ihm die Schutzkleidung ausgehe und er nicht wisse, wie er seine Patienten angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus noch behandeln soll – zumal er Corona-Betroffene schon in seiner Praxis hatte. Eine Zwangslage, die viele Arztpraxen kannten, da Masken, Schutzbekleidung und Desinfektionsmittel lange schlicht nicht zu bekommen waren – schon gar nicht im von der Pandemie besonders heftig betroffenen Spanien.

Dort behandelt Dr. Lorenzo da Silva in seiner Praxis an der Costa del Sol vor allem deutsche Patienten. Doch just, als sich der Arzt schon darauf einstellte, sich notfalls Müllbeutel überstülpen zu müssen, um weiter praktizieren zu können, kam dieser Anruf, den der Arzt als „unfassbar, wirklich unfassbar“ beschreibt.

Coronakrise

Als Arzt in Spanien: "Ich bin machtlos, wütend, traurig und habe selber Angst"

Am anderen Ende der Leitung meldete sich einer seiner Patienten und berichtete, er habe im stern über die Notlage des Arztes und seiner Praxis gelesen. Ihm sei nicht klar gewesen, dass die Lage so schlimm wie beschrieben sei. Und dann stellte er die für Victor Lorenzo da Silva entscheidende Frage: „Was brauchen Sie?“

Reichlich Masken und Desinfektionsmittel

Von da an nahm die gute Geschichte ihren Lauf. Der Gönner, der anonym bleiben will, ließ seine geschäftlichen Beziehungen spielen und stattete die Praxis in vergleichsweise kurzer Zeit mit literweise Desinfektionsmittel, Tausenden FFP2-Schutzmasken sowie etlichen Garnituren Schutzkleidung für den Arzt und seine vier Assistentinnen aus – aus Dankbarkeit dafür, dass Lorenzo da Silva die schwere Erkrankung eines Familienmitglieds frühzeitig erkannte und erfolgreich behandelte. Lediglich die nur einmal nutzbaren OP-Schutzkittel, die im Umgang mit (möglicherweise) infektiösen Patienten getragen werden müssen, waren auch für den großzügigen Spender nicht zu besorgen. Daher kaufte er der Praxis auch noch eine Waschmaschine, damit die neu angeschafften Garnituren gewaschen werden können, so dass jeder und jedem im Praxisteam drei Garnituren am Tag zur Verfügung stehen, berichtet Lorenzo da Silva.

Und in den kommenden Tagen werde der Empfangstresen der Praxis auch noch mit einer schützenden Glasscheibe ausgestattet, so der Doktor weiter. Schließlich sei die Pandemie „nicht in einem Monat vorbei“, zitiert der Arzt seinen Gönner. Auf rund 20.000 Euro summiere sich die Ausstattung, mit der Dr. Lorenzo seine Patienten nun trotz aller Bedrohung durch das Coronavirus weiterhin sicher behandeln könne.

„Kann es selber kaum glauben“

Dankbarer könnte der Arzt kaum sein. „Ich kann es selber nicht glauben“, gesteht der Mediziner dem stern. „Dass es Menschen gibt, die in einer solchen Situation, in der es eigentlich allen schlecht geht – denn auch die Reichen sterben an Corona – dass da jemand, der die Möglichkeit hat, sagt, warum soll ich hier nicht helfen“, das habe ihn sehr beeindruckt, so Lorenzo da Silva. Schließlich habe er ja nur seinen Job als Arzt gemacht, beteuert er. Ohne den Gönner wäre die Praxis nun in großen Schwierigkeiten, gibt Lorenzo da Silva zu. Denn Schutzausrüstung sei für einfache Ärzte in Spanien immer noch sehr schwer zu bekommen. Seine nur mit viel Überredungskunst in China besorgten, weit überteuerten Masken lagerten seit Wochen in einem Container in Madrid – wegen überbordender Bürokratie ohne Aussicht, dass er bald darauf zugreifen könne. 

Emotionale Begegnung

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So aber darf der Arzt erleichtert sein, dass er für seine Patienten da sein kann, ohne befürchten zu müssen, an Covid-19 zu erkranken. Inzwischen wurden die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus auch an der Costa del Sol gelockert, doch man sei immer noch weit davon entfernt, sich wirklich frei bewegen zu können, berichtet Lorenzo da Silva. Immerhin sehe man nun wieder Menschen auf der Straße und Bars könnten zumindest draußen wieder Getränke servieren. Doch so manche Gegend, die man um diese Jahreszeit als Einheimischer normalerweise meide, weil wegen der Urlaubsgäste zu viel los ist, sei immer noch praktisch menschenleer. Dass nun wieder etwas mehr Leben möglich sei, finde er gut, weil der Ausnahmezustand „einen so langsam mürbe macht“. Aber als Arzt habe er auch Sorgen, dass die Lockerungen dazu führen, dass die Zahl der Corona-Infizierten wieder ansteigt. „Das kann uns um Monate zurückwerfen“, befürchtet Victor Lorenzo da Silva. Doch selbst für diesen Fall ist seine Praxis nun gerüstet.

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