Gesundheit

Problem-Impfstoff Sinovac: Chinas Corona-Vakzin schützt wohl nur Monate

Als die ersten Impfstoffe auf den Markt kamen, packten die Länder der Welt die Ellenbogen aus. Die Reichen leisteten sich ein ordentliches Stück vom Kuchen, die ärmeren Länder mussten sich, wenn sie überhaupt etwas abbekamen, mit ein paar Krümeln zufriedengeben. Ein gefundenes Fressen für China. Die Volksrepublik ergriff die Chance, verteilte seinen Impfstoff großzügig, exportierte und spendete viel. Und gerierte sich als Retter der Armen. So weit so gut, wäre da nicht das Problem mit den wachsenden Zweifeln an der Performance des chinesischen Vakzins – denn es schützt wohl nur wenige Monate.

Mehr als 1,1 Milliarden Sinovac-Impfdosen sollen laut Wissenschaftsdatenspezialisten Airfinity produziert worden sein. Das ist mehr als ein Drittel aller Impfstoffdosen der Welt. Kein anderes Vakzin wurde öfter verimpft. Doch der Westen war von Anfang an skeptisch. Die Volksrepublik, so die Kritik, wolle sein Image aufpolieren und verfolge strategische Hintergedanken. Dazu gesellten sich schnell kritische Stimmen zur Wirksamkeit des Impfstoffs, sogar aus China selbst. Im April war es der Leiter des chinesischen Zentrums für Krankheitskontrolle- und prävention, Gao Fu, der davon sprach, dass die chinesischen Impfstoffe "keine sehr hohe Schutzrate" hätten. Später ruderte er zwar zurück, die Zweifel aber blieben.

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Vom Retter zum Problemfall

Schon lange bekannt ist, dass das chinesische Produkt ­– Exportschlager hin oder her – nicht mit anderen Vakzinen mithalten kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bescheinigte Sinovac im Juni eine Wirksamkeit von 51 Prozent gegen symptomatische Verläufe. Zum Vergleich: die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna kommen auf 95 Prozent, Astrazeneca auf 80 Prozent und Johnson&Johnson auf 65 Prozent.

Doch Sinovac konnte etwas bieten, was andere Impfstoffe nicht konnten: Er war billig und leicht zu haben. Ein großes Plus vor allem für ärmere Länder. Die gerade zu Beginn kaum Möglichkeiten hatten, an die hoch im Kurs stehenden mRNA-Impfstoffe zu kommen. Etliche Länder, vor allem in Asien, Afrika und Südamerika machten das chinesische Vakzin daher zur Basis ihrer Impfkampagne. Nun allerdings scheint sich zu erhärten, was lange befürchtet wurde. Der chinesische Impfstoff macht Probleme, schützt wohl längst nicht so nachhaltig wie gehofft. Das muss inzwischen selbst der Hersteller zugeben. Es sind die Antikörper die Sorgen bereiten.

Laut einer Studie des Herstellers nimmt deren Zahl binnen weniger Monate rapide ab, so stark, dass sie bei etwa zwei Dritteln der Untersuchten unter die von Forschern festgelegte Grenze falle. Gestützt werden die Ergebnisse von einer weiteren Studie aus Thailand. Die Forschenden hatten festgestellt, dass sich die Zahl der Antikörper nach einer Impfung mit dem Vakzin alle 40 Tage halbiere. Unklar bleibt darin, was das für die Schutzwirkung bedeutet. Der Hersteller selbst empfiehlt eine Auffrischimpfung – oder: die Länder sollen noch mehr Impfstoff kaufen.

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Auffrisch- statt Erstimpfungen

Das könnte eine Möglichkeit sein. Einer Studie zufolge, die bisher nur im Preprint veröffentlicht wurde und noch nicht von unabhängigen Gutachtern begutachtet wurde, steigere die dritte Impfung die Antikörperzahl erheblich. Allerdings würde das auch bedeuten, dass viel mehr Impfstoffdosen benötigt würden als bisher geplant. Gerade in den ärmeren Ländern ist der Impfstoff aber ohnehin schon knapp. Die Entscheidung zur dritten Spritze wäre daher auch eine zu Lasten von Erstimpfungen und würde den Impffortschritt ausbremsen.

Aber es hilft nichts. In einigen Ländern ist das Vertrauen in den chinesischen Impfstoff inzwischen so erschüttert, dass trotz langsamen Impffortschritt und horrend hohen Infektionszahlen nun dennoch erst einmal bereits vollständig Geimpfte zur Auffrischung gerufen werden. Auf Sinovac soll dabei aber verzichtet werden. Eines dieser Länder ist Indonesien. Es zählt zu den Hauptabnehmern des Vakzins. Gerade einmal sieben Prozent der 270 Millionen Einwohner konnten bislang vollständig immunisiert, die meisten davon mit dem Vakzin aus China. 1,5 Millionen, es handelt sich um Gesundheitsbedienstete, werden nun noch einmal zur Spritze gerufen. Sie sollen eine Auffrischung mit dem mRNA-Impfstoff Moderna erhalten.

Auch Thailand muss umdenken. Wie in Indonesien plätschert die Impfquote auf niedrigem Niveau. Einen Push hätte eine Impfstoffspende aus den USA bringen können. Doch von den 1,5 Millionen Dosen des Herstellers Biontech/Pfizer soll ein Drittel eben nicht für Erstimpfungen genutzt werden, sondern ebenfalls in die Arme des bereits immunisierten Gesundheitspersonals gespritzt werden. Damit aber nicht genug. Die Planänderung sieht auch eine Abkehr vom homogenen Impfschema vor, auf die Sinovac Erstimpfung soll eine Dosis Astrazeneca verimpft werden.

China macht einfach weiter

Und in Malaysia will man von dem chinesischen Impfstoff überhaupt nichts mehr wissen. Dosen, die noch auf Lager liegen, sollen zwar aufgebraucht werden, danach will das Land aber zum Impfstoff von Biontech/Pfizer wechseln. Selbst in China wächst die Unruhe. So berichtet das Nachrichtenportal Caixin davon, dass auch dort über Booster-Impfung mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin nachgedacht werde. Genaues ist nicht bekannt. Schweigen herrscht auch darüber, wie es nun weiter gehen soll und ob und wenn ja welche Auswirkungen die neuesten Entwicklungen um Sinovac haben.

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