Gesundheit

Mein liebes Tagebuch

Die Ampel, die Bevölkerung und viele Apotheken wollen’s: Grippeschutzimpfungen in Apotheken. Und die Ärztefunktionäre poltern dagegen mit fadenscheinigen Gründen. Dabei geht’s ihnen ums entgangene Honorar. Sie werden sich beruhigen. Ärgerlich: der EU-Versender Shop-Apotheke ködert Kunden mit unerlaubten Boni für Rezepte. Die Kammer Nordrhein geht dagegen vor. Neues aus dem ABDA-Korb mit „ungelegten Eiern“: Als pharmazeutische Dienstleistung kommt wohl irgendwas mit Medikationsanalyse und Co.,verrät ein BAK-Symposium. Spannend, was? Und die  Schnelllieferdienste, sieht sogar der Spiegel skeptisch. Die einzige Freude in dieser Woche: Es kommt eine neue ABDA-Kampagne: „Einfach da für dich“ – wie schön! 

2. Mai 2022

Der innige Wunsch der Ampel-Koalition: Apotheken sollen künftig bundesweit als Regelleistung gegen Grippe impfen können. Auch die Bevölkerung ist begeistert davon. Und damit Apotheken diese Grippeschutzimpfungen durchführen können und nicht gegen ein Verbot der Ausübung der Heilkunde verstoßen, das bisher in den Berufsordnungen verankert war, haben alle Apothekerkammern ihre Berufsordnungen angepasst. Alle Kammern? Nein, mein liebes Tagebuch, die Delegierten der Landesapothekerkammer Thüringen haben sich bisher geweigert, ihre Berufsordnung zu ändern: Die Mehrheit der Thüringer Delegierten will nicht impfen. Man sehe die Zukunft der Apotheken nicht im Impfen, heißt es. Au weia, wer spricht denn davon, dass die Apothekenzukunft im Impfen liegt? Es geht doch wirklich nur um ein Angebot der Apotheken, die das wollen und die ihren Kundinnen und Kunden einen besonderen Service bieten wollen. Warum in aller Welt wollen das die Thüringer nicht verstehen? Und nun, mein liebes Tagebuch, was würde diese Haltung der konservativen Delegierten für alle fortschrittlichen und impfwilligen Apothekers in Thüringen bedeuten? Kommt drauf an, wie der Gesetzeswortlaut ausfällt: Wenn da drin steht, dass das Berufsrecht dem Impfen nicht entgegenstehen darf, dürften die impfwilligen Apothekers in der Tat nicht impfen. Sie müssten klagen. Vielleicht werden die Thüringer Apothekerkammer und ihre Delegierten ja doch noch von der Vernunft gepackt… Ihr lieben Thüringer Delegierten, so eine kleine Änderung der Berufsordnung tut wirklich nicht weh, es ist wie ein kleiner Pieks bei der Grippeimpfung.

 

Dass bereits mehrere Start-ups von Arzneimittel-Lieferdiensten den Apothekenmarkt aufwirbeln, ist auch dem „Spiegel“ nicht entgangen. Das Magazin nennt diese Dienste zwar eine „charmante Idee“, aber der Autor sieht auch, dass diese Geschäftsidee „allerdings kaum mehr als eine teure, hochriskante Wette“ ist. Dem Artikel zufolge ist eigentlich nur der Lieferdienst Mayd finanziell gut aufgestellt. Mayd-Mitgründer Heintzenberg sagt selbst, dass in diesem Markt eigentlich nur Platz für ein Unternehmen sei und man daher sehr schnell wachsen wolle. Wird schwierig, mein liebes Tagebuch, immerhin gibt es noch einige liebe Mitbewerber-Start-ups, die sich auch in diesem Markt tummeln wollen. Und dass das alles einen langen und teuren Atem braucht, zeigten Insider-Berichte, wonach z. B. Mayd derzeit monatlich drei Millionen Euro verbrenne. Und ja, auch Heintzenberg sieht das eigentlich Geschäft erst darin, wenn das elektronische Rezept da ist und man auch Rx-Arzneimittel ohne langes Hin und Her liefern könne. Das würde bedeuten, dass Lieferdienste an die Telematik-Infrastruktur (TI) im Gesundheitswesen angeschlossen werden müssten. Mein liebes Tagebuch, oh nein, das darf nie sein. Es reicht schon, wenn die EU-Versandhäuser Zugriff auf die TI haben. Lieferdienste sind weder Apotheken noch Versender!

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