Gesundheit

Mein liebes Tagebuch

Die AvP-Insolvenz beschäftigt uns auch in dieser Woche. Sie schürt Existenzängste bei vielen Apotheken, einige stehen vor dem Ruin. Bangen, Verzweiflung und nur wenig Hoffnung. Daher die dringende Bitte an die Politik: Diese Apotheken brauchen finanzielle Hilfen, einen Rettungsschirm. Und wir brauchen eine Diskussion: Geht die Rezeptabrechnung auch einfacher? Außerdem in dieser Woche: Botendienstvergütung bleibt bei 2,50 Euro. Bald Retax bei fehlender Dosierung auf dem Rezept? Gibt’s bald doch noch ein „Wahlkämpfle“ um ABDA-Pöstchen? Und nicht vergessen: AHA+L, Masken auf! 

28. September 2020

Die AvP-Insolvenz quält uns auch in dieser Woche. Viele der betroffenen Apothekeninhaberinnen und -inhaber leben zwischen Bangen, Hoffnung und Verzweiflung. Und mit ihnen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Existenzängste machen sich breit. Und der Niedergang der AvP geht weiter: Mittlerweile hat die AvP Dienstleistung GmbH Insolvenzantrag gestellt und auch die Muttergesellschaft AvP Service AG hat Insolvenz angemeldet. Außerdem, so hört man, soll AvP-Vorstand Mathias Wettstein am vergangenen Freitag vom Aufsichtsrat entmachtet worden sein. Warum dauerte dies so lange? Mein liebes Tagebuch, was sich hier abspielt, lässt sich für uns Apothekers kaum noch nachvollziehen. Erste Schätzungen gehen bereits davon aus, dass dieses AvP-Desaster auf Jahressicht zu ebenso vielen Apothekenschließungen führen wird wie alle anderen Probleme der Apotheke zusammen. Und ob da kurzfristige Liquiditätshilfen als Gegenmaßnahme ausreichen, ist mehr als fraglich. DAZ-Redakteur Dr. Thomas Müller-Bohn beschreibt das Szenario eindrucksvoll. Mein liebes Tagebuch, ich kann die Lektüre seines Kommentars unbedingt empfehlen, vor allem seine Gedanken unter der Überschrift „Fehler im System“: „Für viele Betroffene könnten das zu viele Belastungen auf einmal sein“, so seine Analyse. Und er zeigt auf, dass es hierbei nicht um ein „normales“ unternehmerisches Risiko geht, sondern um eine Notwendigkeit, die sich aus den Abrechnungsmodalitäten ergibt, die Politik und Krankenkassen vorgeben. Denn Politik und Kassen fordern, dass die Abrechnungsdaten in Form und Inhalt so aufbereitet werden, dass dies nur mit aufwendiger Technik möglich ist. Und das kostet und birgt Risiken, wie wir gerade erleben. Müller-Bohn: „Apotheken können daher die Bezahlung, die ihnen für ihre Leistungen zusteht, faktisch nur mithilfe spezialisierter Abrechner erhalten. Sie müssen für technische Finessen zahlen, die dem staatlich geregelten System an anderer Stelle Einsparungen ermöglichen.“ Mein liebes Tagebuch, ja, auch wenn dieses System jahrelang funktioniert hat, tritt jetzt, wo ein faule Stelle deutlich wird, die Ungerechtigkeit zu Tage, die in diesem System steckt: „Apotheken müssen Maßnahmen bezahlen, von denen sie selbst keinen Nutzen haben“, bringt es Müller-Bohn auf den Punkt. Und deshalb, mein liebes Tagebuch, heißt jetzt laut und eindringlich die Bitte und Forderung an die Politik: Die betroffenen Apotheken brauchen sofort eine solide, langfristige Finanzierung für die ausstehenden Beträge! Und parallel dazu muss eine Diskussion in Gang kommen, wie wir dieses System der Rezeptabrechnung umbauen, und zwar so, dass Apotheken nicht mehr unter Insolvenzen wie bei AvP leiden müssen. Die Einführung des E-Rezepts und die Frage, wie danach abgerechnet wird, ist doch der geeignete Start für diese Diskussion! Wie wäre es z. B., wenn wir Möglichkeiten der Direktabrechnung diskutieren? Der Verband innovativer Apotheken (via) weist z. B. daraufhin, dass in Dänemark der Datensatz des abgegebenen Arzneimittels bei der Rezeptbelieferung direkt an die Krankenkasse gesendet wird – das Geld wird tagesaktuell der Apotheke überwiesen. Mein liebes Tagebuch, das sollte doch auch in Deutschland möglich sein.

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