Gesundheit

Lieferengpässe im Notdienst – Versorgung unmöglich

#Der Apotheker hat Notdienst – diesmal unter erschwerten Bedingungen: Viele gängige Medikamente fehlen, Lieferengpässe machen es manchmal unmöglich, die Kundinnen und Kunden zu versorgen. Warum ist das so? Und wie tragen auch die Apotheken dazu bei, dass eine Entspannung der Lage nicht in Sicht ist?

Vor Kurzem habe ich mir mit meiner Kollegin einen Sonntags-Notdienst geteilt. Ich den Tag, sie die Nacht.

Ich mag Notdienste grundsätzlich, da alles etwas entspannter ist, wenn man die Menschen nur über die Notdienstklappe bedient und man ansonsten alleine in der Apotheke ist. Wäre da nicht die Notdienstklingel, die so laut ist, dass mir jedes Mal das Herz stehen bleibt, wenn jemand klingelt, wäre es optimal.

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Apotheken sind zeitgemäß

Dieser Notdienst war jedoch etwas anders. Das System zählte rund hundert Kunden, die in den zwölf Stunden bei mir etwas gekauft hatten. Es zählte aber logischerweise nicht die Menschen, die etwas kaufen wollten, aber nicht konnten.

Nein, nicht, weil sie kein Geld dabei hatten, sondern weil ich nicht hatte, was sie wollten beziehungsweise brauchten.

Notdienst-Dialog aus der Hölle

„Haben Sie einen Nurofen-Saft?”

„Nein. Leider nicht!”

„Dann irgendeinen anderen Ibuprofen-Saft?”

„Leider auch nicht!”

„Ibu-Zäpfchen?”

„Nope!”

„Wie sieht’s mit Paracetamol-Säften und -Zäpfchen aus?”

„Hab ich leider auch nicht da!”

„Kinder-Nasenspray von Ratiopharm?”

„Auch nicht!”

„Elotrans?”

„Ausverkauft!”

„Oralpädon oder sonstige Alternativen?”

„Gibt nichts mehr.”

„Das kann doch nicht wahr sein. Dann geben Sie mir bitte nur Buscopan!”

„Nichts vorhanden.”

„Dann bestellen Sie mir bitte von jedem was.”

„Äh, sorry!”

#DerApotheker auf DAZ.online

#DerApotheker teilt via Twitter, Instagram, Facebook und Publikum mit zehntausenden Followern Geschichten aus der Apotheke, nützliche Infos über Arzneimittel und klärt zur Pseudomedizin auf. Darüber hinaus ist er Autor des Buchs „Die Wahrheit über unsere Medikamente“, das im April 2021 veröffentlicht wurde. Seit einiger Zeit macht er auch mit einer regelmäßigen Kolumne auf DAZ.online auf sich aufmerksam. 

Man muss sich das mal vorstellen: Wir stecken mitten in der Corona-Pandemie. Corona kann bei Kindern Fieber auslösen und wir können es nicht mal mehr ausreichend mit Paracetamol und Ibuprofen senken. Dass die große Mehrheit der Menschen jetzt so tut, als wäre die Pandemie längst vorbei, verringert die Anzahl der Kinder, die Fieber bekommen auch nicht wirklich.

Und natürlich kommen auch noch andere Ursachen für Fieber infrage. Aber das Corona-Virus kommt eben noch obendrauf.

Warum sind Paracetamol-Säfte nicht zu bekommen?

Schuld an dem Lieferengpass für paracetamolhaltige Säfte sollen die seit Jahren gleichbleibenden Festbeträge bei insgesamt gestiegenen Kosten sein. Aus diesem Grund zog sich 1A Pharma wohl zurück und stellt nun seit Mai 2022 keine Paracetamol-Säfte mehr her. Damit bleiben dann Ratiopharm und Bene übrig, die den Kuchen nun unter sich aufteilen sollen. Da Bene mehr Geld für seine Säfte und Zäpfchen haben möchte als Ratiopharm, bekommen sie eben auch nur ein kleines Stückchen des Kuchens.

Natürlich müssen die Krankenkassen sparen. Das ist ganz klar. Vor allem auch deshalb, weil wir seit der Pandemie die Rabattverträge aushebeln können. Warum war das nochmal? Damit die Kunden kein zweites Mal in die Apotheke kommen müssen, um so die Gefahr einer Infektion zu verringern. Masken könnten die Gefahr übrigens ebenfalls verringern. Aber das ist eine andere Geschichte.

Festbeträge hinterfragen

Nichtsdestotrotz müssten vielleicht wirklich die Festbeträge hin und wieder mal angepasst werden. Vielleicht lässt sich so beim nächsten Mal verhindern, dass sich Firmen vom Markt zurückziehen, weil es sich für sie nicht mehr lohnt. Sparpotenzial wäre ja auch so vorhanden. Eine Idee wäre es, wenn die Kassen nur das erstatten würden, was auch wirklich eine nachgewiesene Wirkung hat. Aber das wäre im Vergleich ja nur eine kleine Einsparung. Deshalb lohnt es sich nicht und wird nicht umgesetzt. Aha.

Vermutlich spielt auch der russische Überfall auf die Ukraine eine Rolle, warum Fiebersäfte ausverkauft sind. Als der Krieg losging, hatte ich einige Kunden, die mehrere davon kauften, um sie in die Ukraine zu schicken. Das wird nicht nur bei mir in der Apotheke so gewesen sein.

Und warum gibt es keine Kinder-Nasensprays von Ratiopharm mehr und warum kein Buscopan? Aufgrund eines erhöhten Bedarfs.

Elotrans als Wundermittel gegen Kater?

Was ist mit Elotrans, Oralpädon und Co.? Auch nicht lieferbar! Ebenfalls ein erhöhter Bedarf. Schuld daran sind dieses Mal Influencer, die auf TikTok Elotrans als das Wundermittel gegen Kater in den Himmel lobten. Nachdem Elotrans ausverkauft war, kaufte man halt die Alternativen.

Saufen, saufen, saufen! Die Konsequenzen tragen auch hier die Kinder, die, trotz ihres Durchfalls, nun eben keine Elektrolytlösung bekommen können. Traurig.

Ja, man kann auch mit Orangensaft selbst eine herstellen, aber: Das ist nicht der Punkt.

Arzneimittel sind wie Klopapier

Ein weiterer Grund, dass manche Apotheken nichts von alledem vorrätig haben, ist, dass gebunkert wird. Kennt man ja vom Klopapier.

Nur bunkern hier eben nicht nur die Kunden, die dann mehr einkaufen, als sie benötigen, wenn mal was vorrätig sein sollte, sondern eben auch die Apotheken, wenn sie endlich mal die Gelegenheit erhalten, etwas bestellen zu können.

Beides ist natürlich verständlich. Sehr sogar! Nur gehen andere dann eben leer aus.

Schade.

Wir können nur hoffen, dass das in Zukunft besser wird.

In Liebe,

#DerApotheker

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