Gesundheit

Korallenfreundliche Sonnencremes – was sagen die Hersteller? (Teil 3)

Immer mehr Sonnencreme-Hersteller bewerben ihre Produkte als „rifffreundlich“. Doch wie umweltbewusst sind die Kosmetik-Firmen wirklich? Außerdem ist die DAZ der Frage nachgegangen, ob Schwimmbekleidung eine umweltfreundliche Alternative zu Sonnencremes ist.

Einige Marken, etwa Ladival, kennzeichnen ihre Produkte als „rifffreundlich“ oder „korallenfreundlich“ gemäß Hawaiianischem Riffgesetz beziehungsweise „Hawaii Standard“. Sie verzichten dementsprechend auf die Inhaltsstoffe Oxybenzon und Octinoxat. Zum Beispiel erhielt die „Ladival Sonnenmilch für Kinder LSF50+“ von Ökotest ein „sehr gut“.10.a Andere chemische UV-Filter können dennoch enthalten sein. Hier stehen etwa Isoamyl p-Methoxycinnamate und Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate auf der Inhaltsstoffliste (Siehe Tabelle in Teil 2). Das Produkt ist laut Hersteller frei von Mikroplastik, Emulgatoren, Farb- und Konservierungsstoffen und Parfüm.

UV-Filter, die in den Verdacht geraten sind, wie Hormone zu wirken5:

  • 3-Benzylidencamphor (3-BC) ist inzwischen verboten und darf seit Februar 2016 nicht mehr in Produkten stecken, die in der Europäischen Union verkauft werden. Für diesen Stoff, wie auch für die Lichtschutzfilter:
  • 4-Methylbenzylidencamphor (4-MBC bzw. MBC),
  • Ethylhexylmethoxycinnamate (Octylmethoxycinnamate, OMC),
  • Benzophenone-1 (BP1),
  • Benzophenone-2 (BP2),
  • Benzophenone-3 (Oxybenzon, BP3) wurde die hormonelle Wirksamkeit im Tierversuch gezeigt.

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La Roche Posay (L’Oréal) schrieb auf Anfrage zu rifffreundlicher Sonnencreme: „L’Oréal versteht es als Mission, verantwortungsvoll mit der Umwelt und unserem biologischen Fußabdruck umzugehen. Medien berichten vermehrt über Korallenbleichen und den Zusammenhang mit Sonnenschutz-Filtern, insbesondere den Stoffen Oxybenzon und Octinoxat. Keines unserer Sonnenschutzprodukte enthält einen dieser Sonnenschutzfilter.“ L‘Oréal habe auch selbst eine umfassende Studie durchgeführt, um der Ursache weiter auf den Grund zu gehen und betont, dass eine große Zahl an Klimawissenschaftlern das Korallensterben vor allem auf den Temperaturanstieg der Ozeane zurückführe. Ein Zusammenhang mit den Lichtschutzfiltern von L’Oréal habe so mit Sicherheit ausgeschlossen werden können, heißt es.

Die Marke Avène (Pierre Fabre) verweist auf ihrer Homepage auf ihr patentiertes Filtersystem Sunsitive Protection® aus vier Filtern und schreibt: „Die Filter haben nachweislich keine Auswirkungen auf Korallen, Phytoplankton und Zooplankton. Getestet an Korallen, Phytoplankton und Zooplankton, Thorel et al. Journal Toxics 2020.“ Auf Nachfrage, um welche vier UV-Filter es sich dabei handelt, antwortete Avène: 

  • UVA SORB HEB [Diethylhexyl Butamido Triazone],
  • Tinosorb M [Methylene Bis-Benzotriazolyl Tetramethylbutylphenol (Nano)],
  • Tinosorb S [Bis-Ethylhexyloxyphenol Methoxyphenyl Triazine] und
  • Parsol 1789 [Butyl Methoxydibenzoylmethane].

Enthalten seien diese UV-Filter in den Kinder-Sonnenschutzprodukten, den Sonnenschutzprodukten für den Körper und dem B-Protect-Sonnenschutz. 

Tinosorb® M und Tinosorb® A2B [INCI: Methylene Bis-Benzotriazolyl Tetramethylbutylphenol (Nano) und Tris-Biphenyl Triazine (Nano)] stellen neuere Mischformen von Filtern dar. Sie sind zwar chemische UV-Filter, liegen aber in den Produkten wässrig dispergiert vor, weil sie schwer löslich sind, und ähneln insofern Nanopartikeln. Sie sind in einer Konzentration von bis zu 10% zugelassen, besitzen ein Breitband-Wirkspektrum (UV‑A und UV‑B) und finden sich in diversen Hautpflegeprodukten mit UV-Schutz wie in Tagescremes.“ 

Quelle: DAZ 30/2017, Ralf Schlenger 

Wie in einem Artikel von „Spektrum.de“ von 2019 nachzulesen, sind Sonnenschutzmittel größtenteils lipophil. Dadurch werden sie, wenn sie in die Umwelt gelangen, nicht im Wasser gelöst und verdünnt, sondern „in Tieren, vor allem in lipophilen Organen, gespeichert: sie bioakkumulieren“. Zudem sollen sie sich in Sedimenten einlagern können, was sich auf bodenlebende Organismen auswirken könnte. Aus Meerwasser seien UV-Filter-Konzentrationen im Bereich von 1-100 ng/L bis hin zu mehreren µg/L bekannt, „aus Sedimenten weit höhere Konzentrationen (bis zu mg/L)“, erklärt die Autorin und promovierte Biologin Gabriele Kerber.

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