Gesundheit

"Ich werde gebraucht, also bin ich da!" – Kultkneipe auf St. Pauli wird zur Suppenküche

Daniel Schmidt: „Suppe gibt es heute ein bisschen später…wer eine warme Mahlzeit möchte muss eine halbe Stunde länger warten. OK?“

Daniel Schmidt und seinen Elbschlosskeller kennt man auf dem Hamburger Kiez. Beide sind Kult. Doch das Rotlicht im Kiez wurde abgeschaltet, der Elbschlosskeller das erste mal überhaupt abgeschlossen – kein Sex, kein Vergnügen in Zeiten der Corona-Krise, und das auf St. Pauli.

Daniel Schmidt: „Fakt ist einfach, dass die Schwächsten unserer Gesellschaft nicht die Hilfe haben, die sie bräuchten.“

„Wer, wenn nicht wir“ – unter diesem Motto hat sich Hamburgs härteste Kiezkneipe in der Corona-Krise in eine Suppenküche und Kleiderkammer für Obdachlose verwandelt. Schon lange vor der Essensausgabe um 12 Uhr bildet sich vor dem „Elbschlosskeller“ eine lange Schlange von Menschen – immer im Sicherheitsabstand von zwei Metern, wie es sich in der Corona-Krise gehört. Alle warten auf einen Teller warme Suppe oder einen neuen Pulli oder eine Jacke aus der Kleiderkammer.

Daniel Schmidt: „Wir haben den ganzen Laden voll mit Klamotten und Lebensmitteln, dazu habe ich bei Facebook aufgerufen. Da war ich überrascht wie viel Leute zusammengehalten haben.“

Bereits am Wochenende hatte Daniel Schmidt damit begonnen, mit Freunden Essen, Trinken und Kleidung an Bedürftige zu verteilen. Mit einer solchen Solidarität hätte selbst der Berufsoptimist aus St. Pauli nicht gerechnet.

Daniel Schmidt: „Leute haben gesehen, da tut einer was, der macht das Richtige. Es haben alle zusammengehalten. Es ist so groß geworden, ich habe drei neue Leute eingestellt. Natürlich alles nach Vorschrift, Sicherheitsabstand wird eingehalten.“

220 Kilogramm Lebensmittel waren schon zu Beginn der Aktion zusammengekommen. Während der Ausgabe der Lebensmittel, Jacken, Decken, Kissen und Schlafsäcke hatte zeitweise auch die Polizei kontrolliert, ob die zwei Meter Sicherheitsabstand eingehalten werden.

Daniel Schmidt: „Ich habe keine Ahnung wie lange das geht, ich werde hier am Start sein so lange ich gebraucht werde. Solange wie Corona in aller Munde ist.“

Schon immer gehörten auch Arme und Menschen am Rande der Gesellschaft zu Daniels Gästen.

Daniel Schmidt: „Seit wir dieses Lokal übernommen haben, das hat sich nie die Frage gestellt, ob wir das tun und warum. Das ist unausgesprochen, das gehört sich einfach so.

Spontan hat sich auch sein Freund Markus Tuschy von der nahegelegenen „Hidden Kitchen“ bereit erklärt, zu helfen.

O-Ton Markus Tuschy, Hidden Kitchen „Es gibt viele Menschen, denen es schlechter geht als mir. Leute die ganr keine Jobs mehr haben. Wenn ich jetzt zu Hause sitzen würde, würde ich durchdrehen.“

Wer auch noch helfen will, kann sich über die Facebook-Seite des „Elbschlosskeller“ melden. Für die Essensvorräte musste es vorerst „Stopp“ heißen.

Daniel Schmidt: „Ich werde jetzt Stop aufrufen auf meiner Facebookseite. Wir wollen nichts wegwerfen. Das muss auch alles an den Mann gebracht werden.“

Daniel Schmidt: „Ich werde gebraucht, also bin ich da!“

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