Gesundheit

Forscher fordern strengere Maßnahmen: Könnten Virus so in zwei Monaten stoppen

Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Pandemie zeigen Wirkung. Fatal wäre es nun, sie deswegen wieder zu lockern, sagen Forscher. Sie skizzieren drei Szenarien für Deutschland.

Während die ersten Länder bereits gewagt haben, ihre Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu lockern, mahnt die Bundesregierung noch zu Geduld – vor Ostern werde man zumindest nicht darüber nachdenken.

Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig geben der Bundesregierung recht. Sie halten eine Lockerung der Einschränkungen in Deutschland zu diesem Zeitpunkt für gefährlich. Stattdessen plädieren sie sogar für strengere Maßnahmen.

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Das Forscherteam um den Physiker Michael Meyer-Hermann simuliert die Auswirkung verschiedener Bedingungen auf die Entwicklung der Pandemie in Deutschland. Um die Ausbreitung des Erregers genau beschreiben zu können, nutzen die Wissenschaftler ein Modell aus der mathematischen Epidemiologie, das sie um die spezifischen Komponenten von Sars-CoV-2 erweitert haben. Ihre Ergebnisse haben sie nun in einer Publikation veröffentlicht.

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Maßnahmen zeigen Wirkung

Die Forscher interessiert vor allem die Basisreproduktionszahl von Covid-19. Diese gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt – und zeigt damit, wie schnell sich das Virus ausbreitet. Sinkt die Zahl auf unter eins, gehen Virologen davon aus, dass die Pandemie eingedämmt ist.

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Die Forscher aus Braunschweig fanden heraus, dass die Reproduktionszahl seit Beginn der Maßnahmen in Deutschland auf einen Wert von 1 sinken konnte. „Unsere Daten deuten jedoch auch an, dass das kein Plateau ist“, konstatiert Meyer-Hermann. „Der Wert ist seit der Fertigstellung des Manuskripts in den letzten drei Tagen weiter gesunken, und diese Tendenz scheint anzuhalten.“ Die strikten Maßnahmen zeigten also ihre Wirkung.

Drei Szenarien denkbar

Ferner haben die Forscher Angaben zur Anzahl stationär aufgenommener und intensivmedizinisch betreuter Patienten in ihr Model integriert, sodass sie die Belastung für das deutsche Gesundheitssystem in verschiedenen Szenarien vorhersagen können.   
 
 

Bei einer Reproduktionszahl von 1, wie sie aktuell in den meisten Bundesländern erreicht ist, wären deutschlandweit auf ein ganzes Jahr demnach dauerhaft 10.000 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt.

Laut Meyer-Hermann kann unser Gesundheitssystem das gerade noch verkraften, wobei dies auch bedeuten würde, dass nach einem Jahr nur etwa ein Prozent der Bevölkerung mit Sars-CoV-2 infiziert worden sei. „Eine Immunisierung der gesamten Bevölkerung ist unter Einhaltung der Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht zu erreichen“, betont Meyer-Hermann.  
 

Stiege die zeitabhängige Reproduktionszahl des Virus allerdings wieder auf ihren Wert von vor einer Woche oder vor zehn Tagen, läge die Zahl der Intensivpatienten innerhalb weniger Monate in den Hunderttausenden und das Gesundheitssystem wäre restlos überfordert.

So ließe sich das Virus in ein bis zwei Monaten stoppen

Ließe sich die Reproduktionszahl dagegen auf Werte deutlich unter 1 senken, wäre die Ausbreitung des Virus nach den Berechnungen der Forscher innerhalb von ein bis zwei Monaten gestoppt. Deshalb fordern sie, die Einschränkungen im sozialen Leben kurzfristig sogar zu verstärken.

„Je weiter wir die Reproduktionszahl absenken können, desto schneller ist die Notsituation vorbei, was vielleicht sogar für strengere Maßnahmen spricht“, sagt Michael Meyer-Hermann.

Lockerung der Maßnahmen "falsches Signal"

Eine Lockerung der Maßnahmen ziehe den Kampf gegen das Virus stattdessen nur weiter in die Länge und sei daher auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll, wenn nicht gar kontraproduktiv.

„Wir brauchten die offiziell verordneten Einschränkungen, um die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Gefahr durch die Epidemie zu lenken. Sie jetzt zu lockern, ist zu diesem Zeitpunkt das falsche Signal“, sagt Meyer-Hermann.

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