Gesundheit

Die Hoffnung auf einen Pharmaziestudiengang in Brandenburg schwindet

Der Fachkräftemangel ist nach wie vor eines der drängendsten Probleme der Brandenburger Apothekerschaft. Obwohl Kammerpräsident Jens Dobbert seit zehn Jahren dicke Bretter bohrt, scheint die Etablierung eines Pharmaziestudiengangs im Land derzeit in weiter Ferne. Landesgesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne), die anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Apothekerkammer Brandenburg die gestrige Kammerversammlung besuchte, ließ jedenfalls keine neue Hoffnung keimen. Auch beim PTA-Nachwuchs sieht es mager aus.

Die gestrige Kammerversammlung der Landesapothekerkammer Brandenburg fand zwar ohne große Feierlichkeiten im Potsdamer Apothekerhaus statt – dennoch war sie besonders: Erstmals kam eine Ministerin zu Besuch. Ursula Nonnemacher (Grüne) ist seit November 2019 Ministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg und überdies Ärztin. Zum 30-järigen Jubiläum der Kammer fand sie den Weg zu den Apothekerinnen und Apothekern.

Was diesen unter den Nägeln brennt, machte zunächst Kammerpräsident Jens Dobbert in seinem Bericht deutlich. Das ist vor allem die Sorge um den Nachwuchs. Als Dobbert vor zehn Jahren in sein Amt gewählt wurde, machte er den Fachkräftemangel bereits zu einem seiner Schwerpunktthemen. Es folgten Resolutionen und zahlreiche Gespräche mit Vertreter:innen der Landesregierung. Beharrlich machte Dobbert deutlich: Brandenburg braucht einen eigenen Pharmaziestudiengang. Verständnis fand er zwar fast überall – nur fühlten sich die jeweils angesprochenen nicht zuständig. Zeitweilig sah es so aus, als könne tatsächlich ein Gesundheitscampus Brandenburg inklusive Pharmazie aufgebaut werden – an der BTU Cottbus. 2021 taten sich die Apotheken mit Ärzten und Zahnärzten im Land zusammen, um eine gemeinsame „Hochschule für Heilberufe“ zu fordern. Doch alle Hoffnungen versickerten bislang im märkischen Sand. Auch wenn es schwer ist, bei all diesen Rückschlägen motiviert zu bleiben – Dobbert sucht weiter das Gespräch. Als Nächstes stehen solche mit der privaten Medizinischen Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) an.

Mehr Mitsprache: Apotheker wollen ins „gemeinsame Landesgremium“ 

Dobbert nutzte die Anwesenheit der Ministerin für einen weiteren Vorstoß: Das Sozialgesetzbuch V sieht vor, dass ein gemeinsames Gremium aus Vertretern eines Landes, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Landesverbände der Krankenkassen sowie der Ersatzkassen und der Landeskrankenhausgesellschaft sowie weiteren Beteiligten gebildet werden kann. Dieses „gemeinsame Landesgremium“ kann sodann Empfehlungen zu sektorenübergreifenden Versorgungsfragen abgeben – auch zur Notfallversorgung. Spätestens jetzt, findet Dobbert, ist es an der Zeit, die Apotheker in dieses in Brandenburg bereits existierende Gremium aufzunehmen – denn es stehen viele neue Aufgaben für die Apotheken an.

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Da sind zum einen die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen. Dobbert ist erfreut, dass das große Geheimnis um diese Leistungen nun endlich gelüftet ist. „Aus meiner Sicht ist für jede Apotheke was dabei“, sagte er. Etwas Wasser müsse er allerdings doch in den Wein gießen: Ein zweites Standbein für die Vergütung seien die Dienstleistungen nicht. Sie seien ein „Add-on“, das den Berufsstand aufwerte. Aber das führe nicht daran vorbei, dass auch die Vergütung für die Arzneimittelabgabe dringend angepasst werden müsse. Denn sie sei weiterhin das Grundfundament der Apotheken. Es müsse sichergestellt sein, das den Mitarbeiter:innen angemessene Gehälter gezahlt werden können und Investitionen sowie ein Verdienst für die Inhaber:innen möglich sind. Und anders als in anderen Brachen könnten Apotheken ihre Kostensteigerungen in vielen Bereichen eben nicht an die Endverbraucher weitergeben.

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Dobbert warf zudem einen Blick auf das kommende E-Rezept. Er hat keine Bedenken, dass die Apotheken im September bereit sein werden. „Wir sind schon lange auf dem digitalen Trip“. Er appellierte aber auch nochmals an alle Kolleg:innen: „Bereiten Sie sich vor und triezen Sie Ihre Softwarehäuser“. Eine weitere wesentliche Neuerung, die die Apotheken in diesem Jahr erwartet, ist die Grippeimpfung als Regelleistung. In Brandenburg hatte man schon mit den Modellprojekten Probleme. Hier fasste man im Schulterschluss mit den Ärzten eine Resolution, dass Apotheken nicht impfen werden und die Ärzte kein Dispensierrecht einfordern. Nun, so Dobbert, sei die Situation eine andere. Allerdings sei er weiterhin der Meinung: „Das Impfen ist keine originäre Aufgabe der Apotheke“.

Nonnemacher: Vor-Ort-Apotheken sind nicht durch Versandapotheken zu ersetzen

Ministerin Ursula Nonnemacher nutzte ihren Besuch bei den Apotheker:innen, um ihnen Dank und Respekt auszusprechen – nicht nur für ihre Leistungen in der Pandemie, sondern auch für ihren Einsatz im normalen Betrieb. Einen „Scheck für eine Pharmazie-Fakultät“ habe sie allerdings nicht in der Tasche – gesprächsbereit zeigte sich die Ministerin dennoch. Das Land brauche schließlich die Apotheken vor Ort; ihr flächendeckendes Netz habe sich auch in der Pandemie bewährt. „Sie sind nicht durch Versandapotheken zu ersetzen“, stellte die Ministerin klar. Noch sei die flächendeckende Versorgung nicht gefährdet, dafür sorgten auch fünf Zweigapotheken und 70 Rezeptsammelstellen im Land. Nun müsse man dafür Sorge tragen, dass das auch so bleibt. Es gebe durchaus Ideen, wie Apothekenniederlassungen auf dem Land gefördert werden könnten. Allerdings seien solche Fördermodelle angesichts der Haushaltssituation nicht praktikabel – überall gebe es starke Sparauflagen. Auch die Personalsorgen der Apothekenbetriebe nimmt Nonnemacher ernst. Doch der Fachkräftemangel treffe nicht die Apotheken allein: „Alle konkurrieren massiv um die knappe Ressource junge Menschen“. Auch um die Diskussion um einen möglichen Pharmaziestudiengang im Land will sich die Ministerin nicht drücken. Doch die Lage sei nun so, dass ein solcher nicht (mehr) geplant ist. Schon für die Medizin in Cottbus werde es schwer. Auch die PTA-Ausbildung sprach Nonnemacher an. Sie ist in Brandenburg derzeit nur in Eisenhüttenstadt möglich. Das Land fördert diese Ausbildung – dennoch sei sie nicht konkurrenzfähig mit anderen Ausbildungen, für die eine Vergütung gezahlt werde, betonte die Ministerin. Gut seien die Stipendien, die Apotheken gewähren. Doch nötig seien weitere „kreative Lösungen“. 

Letztlich sagte Nonnemacher zu, sich auch auf Bundesebene weiter für die Stärkung der Vor-Ort-Apotheken einzusetzen. Was den Ruf nach einer besseren Packungsvergütung betrifft, wollte sie allerdings keine Versprechungen machen – auch die Ärzte hätten Forderungen und viele Kliniken befänden sich in Liquiditätsschwierigkeiten.

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