Gesundheit

Die Hälfte der COVID-19-Patienten hat noch Beschwerden

Was bleibt von einer COVID-19-Erkrankung zurück? Selbst ein Jahr nach Symptombeginn beeinträchtigen die Folgen einer Corona-Infektion noch die Hälfte der Patient:innen – am häufigsten berichten sie über Müdigkeit und Muskelschwäche, aber auch Dyspnoe. Die meisten Symptome haben sich zwar gebessert, doch leiden ein Jahr nach Diagnose mehr Patient:innen an Depressionen als noch sechs Monate zuvor.

Noch immer ist das ganze Spektrum der langfristigen gesundheitlichen Folgen von COVID-19 unklar. Erholen sich die Patient:innen vollständig – wenn ja: wann? Oder bleiben Einschränkungen der Lungenfunktion, der Belastbarkeit und der Arbeitsleistung zurück – vielleicht auch psychische Folgen? Diesen Fragen näherte sich ein Team von chinesischen Wissenschaftler:innen. Sie verglichen die Langzeitfolgen von COVID-19 sechs und zwölf Monate nach Symptombeginn bei überlebenden Patient:innen, die wegen COVID-19 im Jon Yin-tan Krankenhaus in Wuhan (China) behandelt worden waren. Die Ergebnisse ihrer Studie gibt es nachzulesen im Fachjournal „The Lancet“ („1-year outcomes in hospital survivors with COVID-19: a longitudinal cohort study”).

Die Studie

Von den 2.469 Patient:innen, die zwischen dem 7. Januar und dem 29. Mai nach COVID-19-Erkrankung das Krankenhaus in Wuhan verließen, werteten die Wissenschaftler:innen schließlich die Daten von 1.276 Patient:innen aus – ausgeschlossen wurden Patient:innen, die in Pflegeheimen lebten, die an Demenz, psychischen oder Knochen- und Gelenkerkrankungen litten oder immobilisiert waren. Auch flossen die Daten von COVID-19-Patient:innen, die zwischen der Sechs- und Zwölf-Monate-Auswertung verstarben, nicht in die Abschlussanalyse ein. Etwa jeder vierte Patient (318) benötigte während des Klinikaufenthalts keinen zusätzlichen Sauerstoff, rund zwei Drittel (864) der Patient:innen waren auf zusätzlichen Sauerstoff angewiesen und knapp jeder 14. Patient (94) musste nicht invasiv (7 Prozent, 86) oder invasiv (1 Prozent, 8) beatmet werden. Die Patient:innen waren im Mittel 59 Jahre alt, 53 Prozent (681) waren männlich, 47 Prozent (595) weiblich.

Um zu bewerten, welche Beschwerden die Menschen möglicherweise weiterhin haben, befragten und untersuchten die Wissenschaftler:innen die Patient:innen ausführlich. Diese mussten zusätzlich diverse Fragebögen ausfüllen, unter anderem zu Atemnot und Lebensqualität, und mussten einen sechsminütigen Gehtest absolvieren.

Nach einem Jahr besser als nach sechs Monaten

Die wichtigsten Botschaften sind wohl: Auch ein Jahr nach der SARS-CoV-2-Infektion leidet ein Großteil der Patient:innen weiterhin an Symptomen und Beschwerden, wenngleich sich die meisten – verglichen mit dem Status nach sechs Monate – auch verbessert haben. So berichten zwei von drei ehemals Infizierten (68 Prozent) über mindestens ein Folgesymptom sechs Monate nach Beginn der Erkrankung, nach zwölf Monaten sank dieser Anteil auf jeden zweiten (49 Prozent). Diese Verbesserung konnte unabhängig von der Schwere der COVID-19-Erkrankung beobachtet werden. Doch was schränkt die Menschen auch weiterhin ein?

Müdigkeit und Muskelschwäche

Am häufigsten berichten die Patient:innen über Müdigkeit und Muskelschwäche, und das sowohl nach sechs (52 Prozent) wie auch nach zwölf Monaten (20 Prozent), wenngleich auch hier eine Verbesserung beobachtet wird. Auch Geruchs- (11 Prozent vs. 4 Prozent) und Geschmacksstörungen (7 Prozent vs. 3 Prozent), Schlafstörungen (27 Prozent vs. 17 Prozent) und Haarausfall (22 Prozent vs. 11 Prozent) besserten sich bei den Patient:innen in der Studie. Beim Sechs-Minuten-Gehtest lagen sechs Monate nach Infektion 14 Prozent unterhalb des Normbereichs, nach zwölf Monaten waren es mit 12 Prozent signifikant weniger.

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