Gesundheit

Dengue-Fieber bald in Deutschland? „Nur eine Frage der Zeit“, sagt Virologe Schmidt-Chanasit

Dengue-Fieber gilt als Tropenkrankheit. Doch durch steigende Temperaturen ist die Überträgerin – die Tigermücke – mittlerweile auch in Deutschland heimisch. Kommt es also auch hier bald zu autochthonen, also lokalen Fällen? Ja, sagen Experten.

In Deutschland und Europa hielt sich das Interesse am Thema Dengue-Fieber bislang in Grenzen – bis kürzlich Fälle am Gardasee bestätigt wurden. Nun scheint die Tropenkrankheit also näher zu kommen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist über die Fälle am Gardasee bekannt?

Bislang wurden von der europäischen Seuchenschutzbehörde sechs Fälle von Dengue-Fieber registriert. Man spricht von dem „Lombardei-Cluster“. Das Besondere: Normalerweise handelt es sich bei Dengue-Fieber um eine Tropenkrankheit, die insbesondere Reisende bzw. Reiserückkehrer trifft. Doch keiner der Infizierten soll zuvor verreist sein, die Krankheit sei „lokal erworben“ worden. Das bedeutet, die Betroffenen haben sich vor Ort angesteckt, durch den Stich einer infizierten Tigermücke (die zuvor einen infizierten Menschen gestochen hat und nun das Virus weiterträgt).

Experten beruhigen und empfehlen die schnelle Bekämpfung der Mücken vor Ort. Das Auswärtige Amt hat seine Reisehinweise für Italien aktualisiert und dringend zum Schutz vor Mückenstichen geraten – zum Beispiel durch entsprechende Kleidung und Anti-Mücken-Mittel. Auch sollten sich Urlauber vorab über eine Impfung informieren (s. unten). Vorgeschrieben ist eine Impfung für den Italien-Urlaub jedoch nicht.

Besteht nun Grund zur Besorgnis?

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit betont im Gespräch mit dem SWR , dass man „sehr vorsichtig sein und keine Panikmache betreiben“ sollte. Denn: Es gebe seit Jahren Dengue-Virusfälle, die in Spanien, Italien oder Frankreich auftreten und auch dort erworben wurden. In Frankreich seien vergangenes Jahr beispielsweise 60 Fälle registriert worden.

Er resümiert: „Insofern ist das jetzt nichts Neues für uns. Nichtsdestotrotz ist es natürlich etwas, womit man sich beschäftigen muss als Wissenschaftler.“

Gibt es bereits Fälle in Deutschland?

Ja, in Deutschland gibt es laut Robert Koch-Institut (RKI) jährlich etwa 1000 Erkrankungen. Allerdings handelt es sich bislang ausschließlich um eingeschleppte Infektionen, meist aus Südostasien. Knapp jede dritte Erkrankung wurde in Thailand erworben.

Experten gehen allerdings davon aus, dass sich das ändern wird. „Es ist nur eine Frage der Zeit“, sagt Schmidt-Chanasit. Denn: „Die Tigermücke breitet sich auch in Deutschland aus.“ Laut RKI kommt sie in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, aber auch stellenweise in Fürth, Jena oder Berlin vor.

Und: Je größer diese Tigermückenpopulation, desto größer ist auch die Gefahr, dass sie mal einen Reiserückkehrer stechen und es dann zu lokalen Zellen kommt. Allerdings: „Wir reden hier nicht von großen Ausbrüchen, sondern von einzelnen Fällen, kleineren Clustern, weil wir dann einfach im Herbst Temperaturen haben, die eine Übertragung nicht mehr ermöglichen“, sagt Virologe Schmidt-Chanasit.

Wie unterscheiden sich Tigermücken von heimischen Stechmücken?

Asiatische Tigermücken sind im Vergleich zu einheimischen Mücken viel kleiner und auch schreckhafter. Sie sind zudem tagaktiv, während die heimischen Stechmücken eher dämmerungs- und nachtaktiv sind.

Welche Symptome treten bei Dengue-Fieber auf?

Zu den häufigsten Symptome gehören

  • plötzliches hohes Fieber,
  • sehr starke Kopfschmerzen,
  • sehr unangenehme Gelenk- und Muskelschmerzen,
  • Ausschlag, der sich vom Rumpf auf Arme, Beine und Gesicht ausbreitet und
  • Schmerzen hinter den Augen, Schwäche und Müdigkeit.

Die Symptome treten normalerweise vier bis zehn Tage nach einem Mückenstich auf. Bei starken Symptomen sollten Betroffene umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

In rund einem Prozent der Fälle entwickelt sich ein schweres Dengue-Fieber mit Schock, Gerinnungsstörungen, Blutungen und Multiorganversagen. Warnsignale seien anhaltendes Erbrechen, Luftnot, Schleimhautblutungen, eine vergrößerte Leber, aber auch Verhaltensänderungen wie eine Lethargie oder Unruhe. Schwere Verläufe treten allerdings meist erst bei der zweiten Dengue-Infektion auf.

Wie kann man sich schützen?

Eine antivirale Behandlung gegen Dengue gibt es derzeit nicht. Zugelassen sind zwei Impfstoffe. Der erste – Dengvaxia von Sanofi – ist aufgrund von Komplikationen bei Gesunden, die noch nicht infiziert waren, mittlerweile jedoch auf Personen im Alter von 9 bis 45 Jahren beschränkt, die in einem Endemiegebiet leben und zuvor bereits eine Dengue-Infektion durchgemacht haben. Der zweite – Qdenga von Takeda – wurde erst im Dezember durch die EU-Kommission zugelassen; er hat weniger Nebenwirkungen.

Daneben helfen Anti-Mückensprays, Moskitonetze und lange Kleidung, um Stiche zu vermeiden. Entfernen Sie zudem kleine offene Wasserstellen, zum Beispiel Blumentöpfe, Regentonnen oder alte Autoreifen. Das sind potentielle Brutgelege für die Eier der Asiatischen Tigermücke.

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