Gesundheit

COVID-19: Magen-Darm-Probleme ein Hinweis auf schweren Verlauf – Heilpraxis

SARS-CoV-2 kann Magen-Darm-Probleme verursachen

Die häufigsten Symptome bei der durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelösten Erkrankung COVID-19 sind Fieber, Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit sowie Kratzen im Hals. Zudem kann es zu einem vorübergehenden Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns oder einer Lungenentzündung mit Kurzatmigkeit und Luftnot kommen. Bekannt ist mittlerweile, dass auch Magen-Darm-Probleme auftreten können. Solche Auswirkungen weisen laut Forschenden auf einen schweren Verlauf hin.

Da SARS-CoV-2 erst vor relativ kurzer Zeit auf den Menschen übergesprungen ist, lernen Fachleute erst im Verlauf der aktuellen Pandemie mehr über sein Verhalten und die medizinischen Folgen der Infektion. Bisher stehen bei COVID-19 vor allem die Atemwegs- und Lungensymptome im Vordergrund, doch eine Infektion mit dem Virus kann auch Magen-Darm-Beschwerden zur Folge haben.

Hinweis auf schweren Krankheitsverlauf

COVID-19 galt zu Beginn der Coronavirus-Pandemie als reine Atemwegserkrankung mit Symptomen von Husten bis zur Lungenentzündung. Doch inzwischen sind ganz andere Krankheitszeichen bekannt, darunter auch Übelkeit und Durchfall.

Wie die Universität Ulm in einer aktuellen Mitteilung berichtet, weisen solche Auswirkungen auf den Magen-Darmtrakt sogar auf einen schweren Verlauf hin. Molekulare Einblicke in den Infektionsvorgang mit SARS-CoV-2 im Darmmodell gibt eine Studie, die vor kurzem in dem Fachjournal „Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology“ erschienen ist.

Die Autorinnen und Autoren der Ulmer Universitätsmedizin haben zudem anhand von „Minidärmen“ aus Stammzellen das antivirale Potenzial von Medikamenten wie Remdesivir im Verdauungstrakt untersucht.

Viruslast im Stuhl besonders hoch

Bei der Erforschung von COVID-19 stand zunächst die Lunge im Vordergrund, denn laut der Mitteilung entwickeln etwa 20 Prozent der Erkrankten eine schwere, womöglich tödliche Lungenentzündung.

Allerdings vermehrt sich SARS-CoV-2 in vielen weiteren Organen. Etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten zeigen beispielsweise Symptome des Magen-Darmtrakts wie Durchfall oder Übelkeit – darunter sind viele schwer Erkrankte.

Wie die Fachleute erklären, fiel in diesem Zusammenhang auf, dass die Viruslast im Stuhl von Infizierten besonders hoch ist. Auch noch Tage nach einem negativen Corona-Testergebnis mittels Nasen-Rachenabstrich ist der Erreger demnach in Stuhlproben nachweisbar. Künftige Behandlungsstrategien gegen SARS-CoV-2 sollten daher auch im Magen-Darmtrakt wirksam sein.

Forschende nutzten „Minidärme“

Die molekularen Vorgänge bei einer Coronavirus-Infektion im Magen-Darmtrakt hat ein Ulmer Forschungsteam um den Virologen Professor Jan Münch und den Gastroenterologen Professor Alexander Kleger untersucht.

„Eine Infektion mit SARS-CoV-2 ist nur möglich, wenn der Rezeptor ACE2, an den das Virus andocken kann, sowie die Protease TMPRSS2 im Gewebe vorhanden sind. In gesundem Darm haben wir diese Proteine durchgehend und besonders häufig im Zwölffingerdarm gefunden“, erläutert Professor Jan Münch vom Institut für Molekulare Virologie des Universitätsklinikums Ulm.

Im nächsten Schritt wollten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, welche Zellen des Verdauungstrakts genau mit dem Coronavirus infiziert werden können. Sie nutzten dafür sogenannte Organoide, die aus embryonalen Stammzellen gezüchtet werden.

„Diese ,Minidärme‘ aus dem Labor kommen dem menschlichen Dünndarm sehr nahe und verfügen über große Mengen der notwendigen Andockstellen“, erklärt Dr. Sandra Heller, Biologin an der Universitätsklinik für Innere Medizin I. Die Forschenden haben diese Organoide dem Coronavirus ausgesetzt und den Infektionsvorgang mit verschiedenen molekularbiologischen Methoden untersucht.

„Tatsächlich sind die meisten Zelltypen, darunter auch hormonbildende Enteroendokrine Zellen und für die Immunabwehr wichtige Paneth-Zellen, mit SARS-CoV-2 infizierbar. Sie beginnen umgehend mit der Replikation, also mit der Herstellung neuer, infektiöser Viren. Eine Ausnahme bilden lediglich schleimproduzierende Becherzellen“, so Erstautorin Jana Krüger, die gemeinsam mit den Virologen Rüdiger Groß, Dr. Janis Müller und Carina Conzelmann die wichtigsten Experimente der Arbeit durchgeführt hat.

Medikament hat sich als wirksam erwiesen

Aber wie lässt sich das Infektionsgeschehen im Verdauungstrakt stoppen? Die Forschenden haben verschiedene Medikamente an den infizierten Darm-Organoiden getestet. Als antiviral wirksam hat sich Remdesivir erwiesen: Der Wirkstoff, der ursprünglich für die Ebola-Behandlung entwickelt wurde, blockiert die RNA-Polymerase und somit die Vermehrung von SARS-CoV-2.

Zudem konnte das Peptid EK1 die Corona-Infektion im Minidarm unterdrücken. Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Fusionsinhibitor, der das Eindringen des Virus in die Zelle verhindert.

„Interessanterweise fällt die antivirale Wirksamkeit von Remdesivir im Minidarm erheblich geringer aus als in einfachen Darmzell-Kulturen. Diese Beobachtung untermauert die Notwendigkeit, antivirale Substanzen gegen SARS-CoV-2 in ausreichend komplexen Systemen zu testen“, sagt Heisenberg-Professor Alexander Kleger, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm.

Die Studie liefert notwendige Details, um die Magen-Darmsymptomatik sowie die hohe Viruslast im Stuhl von COVID-19-Kranken zu erklären: Der Verdauungstrakt bietet SARS-CoV-2 ausreichend Andockstellen, um verschiedene Zelltypen zu infizieren, die wiederum neue Coronaviren herstellen. Der daraus resultierende Verlust spezialisierter Darmzellen kann zu Krankheitszeichen wie Durchfall und Übelkeit führen.

Darüber hinaus ist es den Forschenden gelungen, Medikamente anhand von Darm-Organoiden zu testen: Über die Coronavirus-Forschung hinaus belegen diese Untersuchungen den Mehrwert dieser Minidärme. (ad)

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