Gesundheit

COVID-19: Long Covid betrifft besonders häufig Frauen mittleren Alters – Heilpraxis

Langzeitfolgen durch COVID-19 weit verbreitet

Nach einer Erkrankung an COVID-19 erkranken, die einer Krankenhausbehandlung bedurfte, zeigen vielen Betroffene lang anhaltende Beschwerden, die unter dem Begriff Long Covid zusammengefasst werden. Frauen haben hierbei ein deutlich erhöhtes Risiko für Long Covid mit einer Reihe von schwächenden lang anhaltenden Symptomen wie beispielsweise Müdigkeit, Atemnot, Muskelschmerzen, Angstzuständen und Depressionen.

Frauen mittleren Alters zeigen ein besonders hohes Risiko nach einem Krankenhausaufenthalt aufgrund von COVID-19 länger anhaltende Beschwerden zu entwickeln, berichtet das englischsprachige Fachmagazin „BMJ“ unter Berufung auf die Prepint-Versionen von zwei bislang unveröffentlichten Studien. Insgesamt ist das Risiko für längerfristige Symptome nach COVID-19 mit stationärer Behandlung hoch.

Frauen im mittleren Alter häufiger von Long Covid betroffen

Sieben von zehn Personen, welche mit COVID-19 in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, berichteten in der PHOSP-COVID-Studie auch durchschnittlich fünf Monate nach der Entlassung noch über sogenannte Long-Covid-Symptome.

Lediglich 29 Prozent der 1.077 untersuchten Personen fühlten sich bei der Nachuntersuchung, welche im Durchschnitt fünf Monate nach der Entlassung stattfand, vollständig erholt. Der Schweregrade einer akuten Erkrankung an COVID-19 schien dabei keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit zu haben, Long-Covid-Symptome zu entwickeln, berichten die Fachleute.

Welche Symptome wurden beobachtet?

Mehr als ein Viertel wies klinisch signifikante Symptome von Angst und Depression auf, zwölf Prozent litten unter Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung, 17 Prozent hatten zumindest eine leichte kognitive Beeinträchtigung, 46 Prozent zeigten eine geringere körperliche Leistungsfähigkeit als alters- und geschlechtsgleiche Kontrollpersonen, und 20 Prozent erlitten eine vorher nicht vorhandene Behinderung, berichten die Forschenden.

Arbeitsunfähigkeit durch Long Covid

Vor der Krankenhauseinweisung hatten 68 Prozent der Personen in Vollzeit gearbeitet, aber 18 Prozent von ihnen waren nicht in der Lage, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, und 19 Prozent mussten ihre Arbeitsweise aufgrund von Langzeitfolgen ändern.

Entstehen Symptome durch Schäden an Herz oder Lunge?

„Die festgestellten Symptome sind sehr real, aber sie haben keinen direkten Zusammenhang mit der Schädigung von Herz und Lunge, oder zumindest können Herz- und Lungenschäden nicht alle Symptome erklären“, so Studienautorin Rachael Evans von der University of Leicester. Den Forschenden fiel bei der Untersuchung aber auch auf, dass die Symptome häufiger bei Frauen im Alter von 40 bis 60 Jahren auftraten.

Keine ausreichende Erholung nach COVID-19 bei vielen Frauen

Eine kleinere zweite Studie, die vom International Severe Acute Respiratory and emerging Infections Consortium (ISARIC) durchgeführt wurde, ergab, dass mehr als die Hälfte der 327 Teilnehmenden sich nicht vollständig erholt fühlte, als sie im Durchschnitt sieben Monate nach einer stationären COVID-19-Behandlung an einer Nachuntersuchung teilnahmen. Außerdem berichteten 93,3 Prozent über anhaltende Symptome, wobei Müdigkeit und Atemlosigkeit am häufigsten auftraten.

Frauen im Alter unter 50 Jahren gaben dabei im Vergeich zu gleichalten Männern mit fünfmal geringerer Wahrscheinlichkeit an, sich nach überstandenem Klinikaufenthalt vollständig erholt zu fühlen. Außerdem berichteten sie mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit über eine stärkere Müdigkeit und mit siebenmal höherer Wahrscheinlichkeit über Atemnot.

Zusätzlich war ihr Risiko erhöht, eine stärkere Behinderung zu erleben, fügt die Forschungsgruppe hinzu. Eine solche Behinderung betraf meist das Gedächtnis, die Mobilität, die Kommunikation, das Sehen oder das Hören.

Warum leiden Frauen häufiger an Long Covid?

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Immunantwort könnten für die höhere Prävalenz von lang anhaltenden COVID-19-Symptomen bei Frauen verantwortlich sein, denn Autoimmunerkrankungen treten bei Frauen im Alter von 40 bis 60 Jahren häufiger auf als bei Männern, erläutert der an der PHOSP-COVID-Studie beteiligte Professor Chris Brightling von der University of Leicester.

„Vielleicht gibt es einen Unterschied in der akuten Immunantwort, so dass Männer zum Zeitpunkt der Infektion eher einen schwereren Krankheitszustand erreichen und die Immunreaktion bei Frauen anders ausfällt, wodurch Sie eine fortgesetzte Entzündungsreaktion zeigen, die dann zu einer höheren Wahrscheinlichkeit führt, Long Covid zu entwickeln“, so Professor Brightling.

Höhere Werte von sogenanntem C-reaktivem Protein, einem Marker für systemische Entzündungen, wurden bei Menschen mit den schwersten Long-Covid-Symptomen beobachtet. Dies könnte für die Theorie einer anhaltenden Entzündungsreaktion sprechen, denn bei einer Reihe von immunologischen und chronischen Entzündungszuständen sei auch erhöhtes C-reaktives Protein festzustellen, erläutert Professor Brightling. (as)

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