Gesundheit

COVID-19: Hinauszögern der zweiten Impfung könnte Vorteile bringen – Heilpraxis

Zeitpunkt von zweiter COVID-19-Impfung hinauszögern?

Wie würde es sich auf die Impfstrategie auswirken, wenn bei bereits einmal geimpften Personen die zweite Impfung hinausgezögert würde? Könnten durch eine solche Herangehensweise mehr Menschen schnell ihre erste Impfung erhalten und ließe sich so der Impfschutz der Bevölkerung verbessern?

Das Hinauszögern der zweiten Dosis des COVID-19-Impfstoffs könnte die Fallzahlen kurzfristig reduzieren; die längerfristige Fallzahlentwicklung werde jedoch vom Potenzial für die Entwicklung eines viralen Ausbruchs aus der Immunität und von der Robustheit der Immunantworten abhängen, die durch natürliche Infektionen und eine oder zwei Impfstoffdosen erzeugt werden, so das Ergebnis einer Untersuchung unter der Beteiligung von Forschenden der McGill University und der Princeton University. Die Studie wurde in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

Einige Länder wollen zweite Dosis hinauszögern

„Mehrere Länder, darunter Großbritannien und Kanada, haben erklärt, dass sie die zweite Dosis des COVID-19-Impfstoffs als Reaktion auf Lieferengpässe hinauszögern werden, aber auch in dem Bestreben, die Anzahl der geimpften Personen schnell zu erhöhen”, erklärt Studienautor Chadi Saad-Roy vom Lewis-Sigler-Institut in Princeton.

Wie wirksam ist erste Dosis?

„Die ursprünglichen klinischen Studien mit den Impfstoffen und die anschließende Epidemiologie sind recht optimistisch, was die Wirksamkeit der ersten Dosis angeht. Wir sind uns jedoch immer noch nicht sicher, wie die Stärke und Dauer der Immunität nach einer Einzeldosis (oder nach der vollständigen Impfung mit zwei Dosen oder nach einer natürlichen Infektion) längerfristig aussehen wird”, erklärt Saad-Roy weiter.

Die Forschenden verwendeten bei ihrer Untersuchung ein einfaches Modell, um die Inzidenz von COVID-19-Fällen sowie den Grad der Immunität der Bevölkerung unter einer Reihe von Impfstoff-Dosierungsschemata und Annahmen in Bezug auf die Immunreaktionen hochzurechnen.„Angesichts der immunologischen und epidemiologischen Unwägbarkeiten (…) sind einfache Modelle ein wichtiges Werkzeug, um zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten zu erforschen”, berichtet Studienautorin Caroline Wagner vom Lewis-Sigler-Institut in einer Pressemitteilung.

Höhere Epidemiespitzen durch eine Dosis

Bei der Studie wurde festgestellt, dass Ein-Dosis-Strategien, wie erwartet, die Fallzahlen kurzfristig reduzieren können, da eine größere Anzahl von Personen schneller immunisiert wird. Wenn jedoch die Immunreaktionen nach einer Dosis weniger robust sind, können die nachfolgenden Epidemiespitzen größer sein, warnen die Fachleute.

So lassen sich epidemiologische Auswirkungen abschwächen

„Optimistischerweise stellen wir fest, dass mit zunehmender Impfstoffkapazität eine Erhöhung der Impfraten oder eine Änderung des Dosierungsschemas in Richtung des empfohlenen Zwei-Dosen-Schemas, erfolgen kann, was diese längerfristigen epidemiologischen Auswirkungen abschwächen könnte”, fügt Wagner hinzu. Ein wichtiger Punkt für die Planung der öffentlichen Gesundheitvorsorge.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der zu berücksichtigen ist, sei das Potenzial für einen sogenannten viralen Immun-Escape (Immunevasion). Um dieses komplexe Thema anzugehen, adaptierten die Forschenden ein einfaches phylodynamisches Modell für virale Immunflucht. Diese Theorie sagt voraus, dass bei Individuen mit partieller Immunität ein moderater Selektionsdruck in Kombination mit einer ausreichenden viralen Übertragung die Evolution in diese Richtung vorantreiben könnte.

Das Team untersuchte hierzu eine Reihe von Szenarien, einschließlich der optimistischen Annahme eines minimalen Anpassungspotenzials bei Wirten mit nachlassender Immunität nach einer oder zwei Impfstoffdosen.

Stärke und Dauer der Immunität müssen bestimmt werden

„Mindestens eine Variante ist bereits aufgetaucht, die für eine partielle Immunflucht angepasst sein könnte”, berichten die Forschenden. Ein sogenanntes „intermediäres Immunitätsniveau” könne hierbei eine maßgebliche Rolle spielen. „Daher sind die Stärke und Dauer der Immunität und insbesondere deren Auswirkung auf die erneute Übertragung wichtige Parameter, die es zu bestimmen gilt”, ergänzt Studienautor Bryan Grenfell.

Auswirkungen von niedrigen Raten der Impfstoffverabreichung

Ein weiteres Ergebnis, welches die Forschenden hervorheben, ist, dass sehr niedrige Raten der Impfstoffverabreichung mit größeren Fallzahlen und möglicherweise einem höheren Potenzial für virale Adaptation verbunden sein können. „Dies unterstreicht nachdrücklich die Wichtigkeit einer gerechten globalen Impfstoffverteilung, da sich ein Immunitätsausbruch an einem Ort schnell global ausbreitet”, erklärt Studienautorin C. Jessica E. Metcalf.

Das Problem ist sehr komplex

„Die Modelle sind konzeptionell relativ einfach, aber sie veranschaulichen die Komplexität des Problems und zeigen die Herausforderungen auf, vor denen wir noch stehen”, bemerkt Professor Michael Boots von der University of California, Berkeley. Die neue Forschungsarbeit identifiziert die wichtigsten Wissenslücken, die dringend angegangen werden müssen und bietet einen Rahmen, der als Grundlage für eine weitere Vorgehensweise genutzt werden kann, fügt Boots hinzu. (as)

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