Gesundheit

Brief an Eltern in NRW: Laschet-Vize verharmlost Gefahr durch Mutation – Eltern stocksauer

Wenn der Minister Corona verharmlost: Es gebe „nur wenige gesicherte Erkenntnisse“ zur hochinfektiösen britischen Corona-Mutation, behauptet Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp (FDP) in einem Elternbrief. Die Empörung der Eltern ist groß.

"Über die Gefährlichkeit dieser Mutation gibt es bisher nur wenig gesicherte Erkenntnisse", heißt es in einem Schreiben Stamps an alle Eltern von Kita- und Schulkindern in Nordrhein-Westfalen vom Freitag. "Es gibt aber Warnungen, sie könne auch bei Kindern stärker ansteckend sein. Diese nehmen wir ernst, auch wenn es bislang keinen wissenschaftlich eindeutigen Beleg dafür gibt."

Die Kritik der Eltern ließ nicht lange auf sich warten. "Es ist unfassbar, dieses Herunterspielen…", schreibt @700Sachen bei Twitter. @Klara_Korn meint: "Ach Stamp wieder. Den Unsinn hat er ja schon vor einigen Tagen im WDR verbreiten dürfen. Dass er sich ernsthaft traut, das in einem Elternbrief zu schreiben, wo doch das RKI nun schon deutlich warnt. Der versucht die Eltern ernsthaft für dumm zu erklären."

RKI warnt schon seit Monaten

Dabei steht längst fest, dass es sich bei der hochinfektiösen britischen Variante B.1.1.7 um einen noch gefährlicheren und ansteckenderen Virus handelt. Weil bei einem stärkeren Infektionsgeschehen mehr Viren kursieren, steigt auch das Risiko für neue Mutanten, die sich nach Impfungen den Antikörpern entziehen könnten.

"Die zunehmende Ausbreitung der Variante B.1.1.7 erschwert die Pandemiebekämpfung", heißt es etwa in einer Stellungnahme des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur britischen Virus-Mutante. "Sie ist noch leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als die zuvor zirkulierenden Varianten und weist eine höhere Reproduktionszahl auf, so dass ihre Ausbreitung schwerer einzudämmen ist. Es gibt Hinweise darauf, dass sie mit einer erhöhten Fallsterblichkeit in allen Altersgruppen einhergeht." Das RKI warnt schon seit Monaten vor Variante B.1.1.7.

"Man ist nur noch entsetzt und müde"

Wieso behauptet Stamp dann, es gebe kaum gesicherte Erkenntnisse? "Ich war die Tage schon fassungslos. Als Lehrer und Vater von zwei Kindergartenkindern fällt mir nichts mehr ein. Man ist nur noch entsetzt und müde", schimpft @fuppesorakel bei Twitter. @Chaosmama tobt: "Das ist unglaublich! Gewollte Durchseuchung der Kinder, und damit die Eltern nicht durchdrehen werden sie so beruhigt! Ich hätte sowas nicht für möglich gehalten! Es muss erst in jeder Kita mehrere Kinder schwer krank sein oder Eltern versterben bis alle wach werden!" Federico Gambarini/dpa

"Unfassbar. Heißt letztlich nichts anderes als die wissenschaftlichen Erkenntnisse passen uns nicht, also spielen wir das runter", so @darkphoenix1981. "Schön auch der Teil mit der Bitte, die Kinder zuhause zu lassen, und der Teil, dass aber leider leider vermutlich dennoch keine Erstattung der Betreuungskosten erfolgen kann", stellt @fermate_fest.

Stamp: "Brauchen keine Belehrungen vom Bund und aus Bayern"

Für zusätzlichen Ärger sorgte Stamp mit einer weiteren Aussage in seinem Brief. "Die derzeit angebotenen 'Nasentests' sind gerade für unsere Jüngsten unangenehm und können bei regelmäßiger Anwendung zu Ablehnung durch die Kinder führen", schreibt der Familienminister und Vizeministerpräsident dort. "Besser wären so genannte 'Lolli-Tests', die aber aufgrund ihrer Auswertung im Labor zurzeit noch nicht flächendeckend umsetzbar sind".

Bei den "Lolli-Tests" handelt es sich um ein medizinisches Pilotprojekt, das in den kommenden Wochen in Kindertagesstätten und Grundschulen getestet werden soll. Dabei lutschen Kinder zwei Mal pro Woche 30 Sekunden lang zu Hause an einem Abstrich-Tupfer.

Viele Eltern verlangen nach klaren Vorgaben, Schutz und funktionierenden Testungen, was die Betreuung ihrer Kinder in Schule und Kita betrifft. Aber Stamp spielt das aktuelle Infektionsgeschehen weiter herunter. "Wenn wir unter dem Bundesdurchschnitt liegen bei den Inzidenzwerten, dann brauchen wir keine Belehrungen vom Bund und auch nicht aus Bayern", sagte der 50-Jährige am Dienstag dem Radiosender WDR 5.

 

Der nächste Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten.  "Herr @JoachimStamp hat immer noch nicht begriffen, dass hinter jeder Zahl, hinter jedem Wert Auswirkungen auf Menschenleben stehen. Das hier ist kein Spiel. Wir können uns solch gefährliche Ignoranz nicht leisten. Diese Leute sind der Verantwortung nicht ansatzweise gewachsen!", twittert @k_man_77.

Stamp selbst versuchte sich später gegen die Vorwürfe zu verteidigen. "Sie unterschlagen, dass ich ausdrücklich geschrieben habe, dass wir die Warnungen ernst nehmen und daher bei den Einschränkungen bleiben müssen", schrieb er ebenfalls auf Twitter. "Eine Kommunikationskultur, die durch Verkürzung mutwillig missinterpretiert, wird dem Ernst der Lage nicht gerecht."

 

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