Gesundheit

Bluthochdruck: Die 10 häufigsten Fehler beim Blutdruck messen – Heilpraxis

Fast jede dritte Person in Deutschland leidet unter Bluthochdruck (Hypertonie). Um einen erhöhten Blutdruck festzustellen, ist eine Blutdruckmessung erforderlich. Häufig passieren dabei Fehler.

Die Selbstmessung des Blutdrucks ist laut der Deutschen Hochdruckliga zuhause effektiver als die Messung in der Arztpraxis. Die heimische Messung ermöglicht ein stimmigeres Gesamtbild, weist verlässlicher auf blutdruckbedingte Organschäden hin und fördert bei Patientinnen und Patienten die Therapietreue.

Jeder Dritte in Deutschland hat Bluthochdruck

In Deutschland haben rund 25 Millionen Menschen zu hohe Blutdruckwerte. Zu den stärksten Risikofaktoren gehören das Alter, vorhandenes Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkoholkonsum und eine salzreiche Ernährung. Ein unbehandelter Bluthochdruck kann zu lebensgefährlichen Gefäßkrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall und/oder Herzschwäche führen. Wie die Deutsche Hochdruckliga betont, könnte durch eine frühe und konsequente Behandlung von Hypertonie rund jede zweite Herzkrankheit verhindert werden.

Unbekanntere Folgen von Bluthochdruck

Neben den bekannteren Folgen auf das Herz erhöht eine vorliegende Hypertonie ebenso das Risiko für Nierenversagen, Netzhautveränderungen und nach neueren Erkenntnissen auch auf Demenz. Die Blutdruckselbstmessung ist laut DHL die empfohlene Methode, um zum einen die Therapie zu überwachen und zum anderen, um unbekannten Bluthochdruck durch sporadische Kontrollen aufzudecken.

Auch gesunde Menschen sollten ihren Blutdruck kennen

Nach Empfehlungen der aktuellen Leitlinien sollten auch gesunde Menschen hin und wieder ihren Blutdruck messen. Wer keine auffälligen Werte hat, sollte demzufolge alle fünf Jahre eine Kontrollmessung durchführen. Bei Personen mit Werte im oberen Normalbereich sollte die Messung in kürzeren Abständen erfolgen.

Wann sollten Hypertonie-Betroffene ihren Blutdruck messen?

Die ESC/ESH-Leitlinien empfehlen Betroffenen mit Hypertonie an mindestens drei Tagen vor dem nächsten Arztbesuch den Blutdruck je morgens und abends zu messen. Besser sei, diesen Zeitraum auf sechs bis sieben Tage zu erweitern. Dies gebe Ärztinnen und Ärzten verlässlichere Hinweise auf mögliche Organschäden wie beispielsweise einen krankhaft vergrößerten Herzmuskel oder eine vergrößerte linke Herzkammer.

10 Fehlerquellen und die richtige Messung des Blutdrucks

1. Die Blutdruckmessung ist üblicherweise eine sitzende Ruhemessung. Körperliche bzw. seelische Belastungen sind 30 Minuten vor der Messung zu vermeiden. Gegebenenfalls sollte die Entspannungszeit verlängert werden. Setzen Sie sich auf einen Stuhl und beginnen mit der Messung nach fünf Minuten Ruhepause.

2. Halten Sie Ihren Arm ruhig während der Messung. Ihre Hand sollten Sie während der Messung nicht bewegen. Ihr Körper darf nicht verspannt sein. Beide Füße sollten auf dem Boden stehen. Den Rücken an die Stuhllehne anlehnen. Während der Messung nicht sprechen oder durch Geräusche ablenken lassen.

3. Durch das im Kaffee oder Schwarztee enthaltene Koffein kann die Blutdruckmessung verfälscht werden. Trinken Sie daher keine koffeinhaltigen Getränke vor der Blutdruckmessung. Auch die Blutdruckmessung bei voller Blase sollten Sie vermeiden.

4. Verwenden Sie unbedingt die vom Hersteller empfohlene Manschette. Die Oberarmmanschette sollte zu Ihrem Oberarmumfang passen und etwa zwei Drittel des Oberarms abdecken.

5. Die Manschette nicht zu locker oder zu fest am Oberarm anlegen. Klettverschluss richtig verschließen, damit er beim Aufpumpen nicht nachgibt. Die Manschette sollte zwei Fingerbreiten quer oberhalb der Ellenbeuge nicht zu stramm angelegt sein, so dass noch ein Finger leicht unter die verschlossene Manschette passt. Auch Herstellerhinweise zur Positionierung der Manschette beachten.

6. Die Blutdruckmessung führt zu falschen Werten, wenn die Messung über einem dickeren Pullover oder Jackett erfolgt. Das Hochschieben Ihrer Kleidung kann zu einem Blutstau und dadurch zu Messfehlern führen. Sie können aber problemlos die Manschette über eine dünne Bluse oder ein dünnes Oberhemd anlegen.

7. Wichtig ist bei der Handgelenksmessung, dass Sie Ihren Arm auf Herzhöhe halten, sonst sind die Werte abhängig von der Armposition zu hoch oder zu niedrig. Ellbogen auf den Tisch aufstützten. Unterarm durch passende Unterlage stützen, um ruhige Messung sicherzustellen.

8. Ein zu häufiges Messen hintereinander verfälscht die Werte. Messen Sie regelmäßig immer zum selben Zeitpunkt. Sollten Sie (blutdrucksenkende) Medikamente einnehmen, ist es wichtig, den Blutdruck vor Einnahme der Medikamente zu messen.

9. Sollte Ihr Blutdruckmessgerät beim Messen öfters einen unglaubwürdigen Wert, eine „Arrhythmie-Warnung“ oder „ERROR“ anzeigen, kann das auf unregelmäßige Herzschläge hinweisen. Stimmen Sie sich hierzu mit Ihrem Arzt beziehungsweise Ihrer Ärztin ab.

10. Verwenden Sie ein validiertes Gerät mit einem Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga e.V., welches Ihnen korrekte Messwerte liefert.

Wann sollte man wegen hohem Blutdruck in die Arztpraxis

Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga sollten Personen, bei denen nach mehrfacher sporadischer Messung die Werte bei oder über 135/85 mm Hg liegen, ihre Hausärztin beziehungsweise ihren Hausarzt aufsuchen. Auch hier zeige sich der Vorteil einer Selbstmessung, da Einzelmessungen in der Praxis nicht als besorgniserregend bewertet werden müssen, wenn die Werte noch unter 140/90 mm Hg liegen und vorherige Selbstmessung niedriger ausfielen. Patientinnen und Patienten sind bei solchen Messungen häufig leicht aufgeregt sind, so eine mögliche Ursache für eine leichte Erhöhung.

Maskierter Bluthochdruck

Eine besonders schwer zu diagnostizierende Form ist laut DHL die sogenannte maskierte Hypertonie. Hier kommt es beispielsweise nur im Schlaf oder während der Arbeit zu erhöhtem Blutdruck, der dann oft nicht erkannt wird. „Bei einigen Patienten kann es stellenweise zu sehr hohen Werten kommen“, warnt Professor Trenkwalder. Hier könne nur eine 24-Stunden-Blutdruckmessung eine exakte Diagnose liefern. Dabei erhalten Betroffene eine Blutdruckmanschette in der Arztpraxis, die über einen Zeitraum von 24 Stunden alle 15 bis 30 Minuten den Blutdruck misst.

Geprüfte Messgeräte verwenden

„Die Deutsche Hochdruckliga spricht sich dafür aus, dass möglichst bei allen Patientinnen und Patienten zur Sicherung der Erstdiagnose eine 24-Stunden-Blutdruckmessung durchgeführt wird“, so Professor Trenkwalder. Für normale Messungen zuhause rät die Deutsche Hochdruckliga dazu, Messgeräte zu verwenden, die das DHL®-Prüfsiegel haben.

Mitunter ist eine zweite Messung sinnvoll

Die Kolleginnen und Kollegen von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) empfehlen darüber hinaus, mitunter zwei Messungen hintereinander durchzuführen. Die Betroffenen sollten vor der ersten Messung zunächst zur Ruhe kommen. Sind die Werte erhöht, sollte eine zweite oder auch eine dritte Messung im Abstand von ein bis zwei Minuten erfolgen. (sb)

Autoren- und Quelleninformationen

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