Gesundheit

Bestellt und nicht geliefert: Wie viele Impfdosen braucht die EU und wo bleiben sie?

Wann kommt endlich meine Chance auf eine Corona-Impfung? Im Lockdown-Frust fragen sich das viele in Deutschland und anderen EU-Staaten. Bestellt sind riesige Mengen Impfstoff, doch die Lieferpläne wackeln.

Großbritannien will bald rund um die Uhr gegen das Coronavirus impfen, in Israel geht es rasant voran, in den USA ebenfalls, wenn auch nicht so schnell wie erhofft. Doch viele EU-Ländern hinken bei der Immunisierung ihrer Bürger hinterher. Zu wenig Impfstoff, zu späte Zulassung, zu schlechte Vorbereitung, zu viel Hin und Her – die Klagen sind vielfältig und der Schwarze Peter geht reihum.

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Die Lage im Überblick:

Die 2,3-Milliarden-Sammelbestellung der EU

Die EU-Kommission hat mit sechs Herstellern Rahmenverträge über die Lieferung von insgesamt 2,3 Milliarden Impfstoffdosen geschlossen – mehr als genug für die 450 Millionen Europäer. In die Entwicklung und den Aufbau von Produktionskapazitäten hat sie 2,7 Milliarden Euro gesteckt. Zwei Mittel sind inzwischen zugelassen: Von Biontech/Pfizer soll die EU bis zu 600 Millionen Dosen bekommen und von Moderna noch einmal 160 Millionen Dosen. Das Vakzin von Astrazeneca soll Ende Januar zugelassen werden.

Deutschland hat mehr als 300 Millionen Dosen bestellt

Deutschland erwartet nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Biontech/Pfizer aus der EU-Bestellung 64 Millionen Dosen sowie über eine eigene "gesicherte Option" weitere 30 Millionen. Von Moderna sollen es noch einmal 50,5 Millionen sein. Bestellt hat Deutschland darüber hinaus: 56,2 Millionen Dosen von Astrazeneca; bis zu 73 Millionen Dosen von Curevac; und 37,25 Millionen Dosen von Johnson&Johnson.

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Deutschland hat bisher fast nur Biontech /Pfizer genutzt

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC soll die Daten zu gelieferten und genutzten Impfstoffen der 27 EU-Staaten rasch zusammentragen und veröffentlichen, ist aber nach eigenen Angaben noch nicht ganz fertig. Für Deutschland veröffentlicht das Robert Koch-Institut regelmäßig die Daten. Bis einschließlich Sonntag waren 1,78 Millionen Impfstoffdosen verbraucht. Davon kam der allergrößte Teil, nämlich 1,76 Millionen Dosen, von Biontech/Pfizer. Von Moderna kamen rund 20.000 Einheiten. Die Zahl der Geimpften in Deutschland lag bei 1,55 Millionen, denn einige Menschen haben bereits ihre zweite Dosis bekommen.

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Zwei wichtige Hersteller liefern weniger

Biontech/Pfizer hat wegen des Umbaus eines Werks in Belgien einen kurzen Produktionsengpass angezeigt – nach EU-Angaben befristet auf die vergangene Woche. Die Liefermenge soll EU-weit diese Woche wieder 100 Prozent erreichen und der Ausfall rasch wettgemacht werden. In Deutschland kommt dies nach Angaben des Gesundheitsministeriums in einem anderen Rhythmus an: Vergangene Woche war demnach etwas mehr verfügbar, nämlich 842.400 statt 667.875 Dosen. Diese Woche sollen aber nur 485.550 Dosen kommen, ab 1. Februar dann schrittweise wieder mehr. Für die Woche ab 22. Februar sind 906.750 Dosen in Deutschland avisiert.

Hinzu kommt nun die Ankündigung von Astrazeneca, ebenfalls weniger an die EU-Staaten liefern zu können, und das in viel größerem Umfang. Der britisch-schwedische Konzern könnte am 29. Januar die Zulassung bekommen. Danach erwartete die EU eigentlich 80 Millionen Impfdosen bis Ende März. Doch nun sollen es nach EU-Angaben nur 31 Millionen sein. Begründung hier: Lücke in der Lieferkette in Belgien. Im Raum steht aber die Vermutung, dass vorproduzierter Impfstoff statt an die EU an Dritte verkauft worden sein könnte. Die EU verlangt Aufklärung und die volle Menge.

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