Gesundheit

Baden-Württemberg führt 2G-Regeln ab Montag ein – Drosten wundert sich über Internet-Gerüchte

Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie: Die deutschen Intensivmediziner warnen vor einer schweren Corona-Welle im Herbst und einer Belastungsprobe für die Kliniken. Baden-Württemberg legt neuen Grenzwert für Corona-Beschränkungen für Ungeimpfte fest. Die Gesundheitsminister einigen sich bei der Schul-Quarantäne. Der Bundestag hat beschlossen, dass die Zahl der Klinikpatienten als wesentlicher Indikator gelten soll. Alle aktuellen News zur Corona-Pandemie finden Sie hier im News-Ticker von FOCUS Online.

News zu Corona in Deutschland vom 9. September

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Baden-Württemberg legt neuen Grenzwert für Corona-Beschränkungen für Ungeimpfte fest

06.12 Uhr: Baden-Württemberg hat in einem neuen Entwurf für seine Corona-Verordnung einen neuen Grenzwert festgelegt, ab dem für Ungeimpfte Beschränkungen gelten sollen. Das berichtet der "SWR". Laut Bericht greifen die härteren Regeln für Ungeimpfte, wenn mindestens 390 Menschen auf Intensivstation behandelt werden.

Ärztepräsident Montgomery fordert bundesweite 2G-Regel

Donnerstag, 9. September, 05.56 Uhr: Im Kampf gegen die vierte Pandemie-Welle hat sich der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, für eine Verschärfung von Corona-Beschränkungen ausgesprochen. Es werde kaum reichen, die Impfquote durch mobile Angebote zu erhöhen. "Um die vierte Welle zu brechen, bevor sie dramatisch wird, sollte man jetzt bundesweit überall dort, wo es möglich ist, eine 2G-Regel einführen", sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). Dort, wo es nicht praktikabel wäre, Ungeimpfte auszuschließen, wie etwa im Öffentlichen Nahverkehr, müsse dann zumindest eine strengere 3G-Regel gelten.

«Ungeimpfte müssten dann einen aktuellen PCR-Tests vorweisen. Ein einfacher Schnelltest dürfte nicht mehr ausreichen», sagte Montgomery. Eine solche erweiterte 2G-Regel könne der nötige Anreiz sein, sich impfen zu lassen.

Mit Blick auf Herbst und Winter gilt für bestimmte Innenräume wie Veranstaltungen und die Gastronomie bundesweit die so genannte 3G-Regel: Zugang nur mit Nachweis als Geimpfter, Genesener oder negativ Getesteter.

Im Gespräch ist aber auch die teils schon angewandte 2G-Regel, also Zugang nur für Geimpfte oder Genesene. Aus Sicht von Bundesregierung und Robert Koch-Institut (RKI) droht ohne deutlich mehr Impfungen ein heftiger Verlauf der vierten Corona-Welle im Herbst. Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind mindestens einmal geimpft, etwa 62 Prozent haben vollen Impfschutz. Angesichts des schleppenden Impffortschritts und steigender Inzidenzen wächst die Sorge vieler vor neuen Einschränkungen.

19.19 Uhr: Die Landesregierung in Baden-Württemberg will ab Montag die aktuell strengsten Corona-Regeln bundesweit einführen. Wenn dort künftig zu viele Corona-Patienten auf Intensivstationen liegen, werden Ungeimpfte vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Das berichtet der „Business Insider“ unter Berufung auf Regierungskreise in Baden-Württemberg.

Bisher gilt in Hamburg die 2G-Regel für Restaurants, Veranstaltungen und Hotels optional, das heißt, die Betreiber können selbst entscheiden, ob sie nur Geimpfte und Genesene Zugang zu Innenräumen geben. Dafür fallen Sperrstunde und Abstandsgebote weg. Baden-Württemberg führt 2G künftig verpflichtend ein, wenn mehr als 300 Intensivbetten landesweit belegt sind.

Damit nutzt das Bundesland den Spielraum im überarbeiteten Infektionsschutzgesetz. Bisher galt dort die Sieben-Tage-Inzidenz, also wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen hinzukommen, als Messlatte. Die Landesregierung in Baden-Württemberg führt jetzt zwei Reißleinen ein: die Hospitalisierungs-Inzidenz, also die Zahl aufgenommener Corona-Patienten in den Kliniken, sowie die Auslastung der Intensivbetten-Kapazitäten. Sind zwischen 200 und 250 der landesweiten Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt, gilt künftig die sogenannte Warnstufe. Sie zieht eine erweiterte Testpflicht in Innenräumen nach sich. Das heißt, Ungeimpfte müssen dann einen negativen PCR-Test vorlegen.

Ab 300 belegten Intensivbetten im Land werden Ungeimpfte quasi vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Zugang erhalten sie dann nur noch zu Läden der Grundversorgung, wie Tankstellen, Supermärkte und Bäckereien. Kleidung kaufen, ins Kino gehen oder ähnliches ist dann nicht mehr möglich. Am Montag waren bereits 168 Intensivbetten belegt. Ausgenommen von den neuen Regeln sind all diejenigen, für die die Ständige Impfkommission (Stiko) noch keine Corona-Impfung empfiehlt – also Kinder unter 12 und Schwangere. 

18.05 Uhr: Virologe Christian Drosten hat sich verwundert über Gerüchte in den sozialen Medien gezeigt, er wolle sich selbst mit dem Coronavirus infizieren, um eine bessere Immunität zu erreichen. „Lese heute ja verrückte Dinge über mich“, schrieb Drosten am Mittwoch auf Twitter. „Selbstverständlich will ich mich nicht selbst infizieren!“

Grund für die Verwirrung ist eine Aussage Drostens in der neuesten Ausgabe seines NDR-Podcasts. Dort hatte der Virologe über den Nutzen der sogenannten Auffrischungsimpfungen gesprochen, also den möglichen wiederkehrenden Impfungen nach der ersten, doppelten Impfdosis. Es sei „nicht das Ziel für alle Zeiten, immer impfen zu müssen“, sagte Drosten in dem Podcast. Irgendwann müsse man in einer sogenannten „endemischen Lage“ ankommen, also in einer Situation, in der das Virus in der Bevölkerung zirkuliert, aber dank natürlicher Immunität und Impfungen beherrschbar sei – so wie Grippeviren etwa.

In dieser Situation sei es dann besser, sich anzustecken als ewig auf Auffrischungsimpfungen zurückgreifen zu müssen, sagte Drosten. Wörtlich erklärte er: „Mein Ziel als Virologe Drosten, wie ich jetzt gerne immun werden will, ist: Ich will eine Impfimmunität haben und darauf aufsattelnd will ich dann aber durchaus irgendwann meine erste allgemeine Infektion und die zweite und die dritte haben.“ Dann, so Drosten, „bin ich richtig langhaltig belastbar immun und werde nur noch alle paar Jahre überhaupt mal dieses Virus sehen, genau wie ich die anderen Coronaviren auch immer mal wieder sehe. Das kann ich als relativ gesunder Erwachsener so für mich verantworten.“ Für ältere Menschen oder Personen mit Immunschwäche gelte das jedoch nicht, stellte der Virologe klar. ullstein bild via Getty Images Kindergräber (Symbolbild)

17.00 Uhr: In Baden-Württemberg sind innerhalb weniger Tage zwei Kinder tot zur Welt gekommen, deren Mütter an Covid-19 erkrankt waren. Das berichtet das Nachrichtenportal T-Online unter Berufung auf das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Die toten Babys wurden Ende August als fünfter und sechster Todesfall von Kindern unter zehn Jahren in Baden-Württemberg in Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert. PCR-Tests bei den Babys waren laut Regierungspräsidium Stuttgart positiv.

Das Robert Koch-Institut hat einer Sprecherin zufolge keine Informationen, wie viele der deutschlandweit registrierten Todesfälle Totgeburten sind. Bundesweit wurden in der Altersgruppe 0 bis 9 Jahre bis zum 30. August tote Jungen und Mädchen verzeichnet.

Die Mütter der toten Kinder waren den Angaben zufolge nicht geimpft. In Deutschland hat die Stiko bislang für die Gruppe der Schwangeren und Stillenden noch keine Impfempfehlung ausgesprochen, da die Datenlage als zu wenig aussagekräftig erachtet wurde. Die deutschen gynäkologischen Fachverbände drängen auf eine entsprechende Empfehlung: Die Schutzimpfung für diese besonders gefährdete Patientengruppe sei zwingend notwendig, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern.

16.27 Uhr: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet auf Grund der grassierenden hoch ansteckenden Delta-Variante des Corona-Virus mit verstärkten Einschränkungen für ungeimpfte Menschen im Herbst und Winter. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Lockdown für alle oder Einschränkungen für Ungeimpfte“, sagte Lauterbach am Mittwoch im Fernsehsender Phoenix. „Ein Lockdown für alle wird nicht mehr kommen, daher werden wir dann bei Ungeimpften strenger sein müssen als jetzt.“

Dies werde dazu führen, „dass wir mit der 2G-, oder 2G- plus 3G-Regelung wie in Hamburg, operieren müssen, weil wir es sonst nicht in den Griff bekommen“, sagte Lauterbach Im Herbst, wenn sich wieder deutlich mehr Menschen in Innenräumen aufhielten und vermehrt Erkältungskrankheiten auftreten würden, erwartet der SPD-Politiker einen weiteren deutlichen Anstieg der Sars-CoV-2-Infektionen.

„Wir brauchen eine Impfquote von mindestens 75 Prozent der Gesamtbevölkerung, nicht nur bei Erwachsenen, um die Delta-Variante deutlich zu entschleunigen“, mahnt der Epidemiologe. Herdenimmunität sei wegen der Delta-Variante rein rechnerisch nicht mehr möglich. Dies erreiche man nur mit einem Impfstoff, der hundertprozentig gegen diese Varianten wirke, wenn sich gleichzeitig 85 Prozent der Menschen impfen lassen würden. Umgekehrt brauche man bei einem hohen Reproduktionswert und etwa 85-prozentiger Wirksamkeit des Impfstoffes eine Impfquote von annähernd 100 Prozent, um Herdenimmunität zu erreichen.

Der mangelnden Impfbereitschaft müsse man mit gezielten Informationen begegnen, sagte Lauterbach, der selbst auch als Impfarzt tätig ist. „Mein Eindruck ist, dass immer noch sehr viele Fehlinformationen verbreitet sind, dass Menschen den Wert der Impfung unterschätzen aber gleichzeitig die Nebenwirkungen überschätzen“, führte Lauterbach aus. Hier sei noch viel Aufklärungsarbeit nötig und man müsse hier möglichst individuell den wissenschaftlichen Stand referieren.

12.12 Uhr: In Österreich wird das Leben für Menschen, die nicht gegen Corona geimpft oder von einer Erkrankung genesen sind, deutlich unbequemer. Die Regierung hat am Mittwoch angesichts der steigenden Zahl der Neuinfektionen einen Stufenplan beschlossen, der bei starker Belastung der Kliniken den Zugang zu Veranstaltungen und in Gaststätten nur noch mit PCR-Tests oder Impfung ermöglicht. In einer ersten Phase ab 15. September müssen ungeimpfte Menschen unter anderem beim Einkaufen wieder eine FFP2-Maske tragen, für Geimpfte gilt eine dringende Empfehlung. Außerdem wird die Gültigkeitsdauer von Corona-Antigentests von 48 auf 24 Stunden verringert.

"Die Impfung ist die Antwort und nicht der Lockdown", beschrieb Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) den Kurs. Vorbild sei Dänemark, wo es dank einer Impfrate von 86 Prozent keinerlei Einschränkungen mehr gebe. Die Regeln sollen unter anderem den für Österreich so wichtigen Wintertourismus vor Schaden bewahren. "Die kommende Wintersaison wird stattfinden", sagte Tirols Landeschef Günther Platter (ÖVP).

Binnen 24 Stunden wurden am Mittwoch in Österreich mit seinen rund neun Millionen Einwohnern 2268 weitere Infektionen gezählt. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei rund 130. Auch müssen immer mehr Patienten in den Krankenhäusern betreut werden.

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