Gesundheit

Am Schluss mache ich ein Selfie mit meinem Impfpass: „Juhu, ich bin geimpft!“

FOCUS-Online-Autorin Philine Lietzmann ist 32, gesund und doch wurde sie bereits geimpft. Warum? Und wie war der Besuch im Impfzentrum? Hier berichtet sie.

Es ist ein Mittwoch im Januar, als ich meinen Freund beim Impfportal in Bayern anmelde. Er hat einen Beruf mit viel Kundenkontakt, deswegen will ich sichergehen, dass wir mitbekommen, wenn er an der Reihe ist. An mich denke ich gar nicht. Ich arbeite seit März 2020 im Homeoffice, bin jung und gesund und wir leben auf dem Land, meine Corona-App zeigt seit Wochen 0 Risikobegegnungen.

Ich scrolle durch alle Listen, will nichts vergessen, was ihn vielleicht weiter nach vorne schiebt in der Impfliste. In der ersten Liste „Ich arbeite in einer Pflege- oder medizinischen Einrichtung“ gibt es ganz unten ein Feld: „Rettungsdienst (ehrenamtlich)“. Sekunde, denke ich, ich bin ehrenamtlich im Rettungsdienst.

Melde mich an – und vergesse es schnell wieder

Uns wurde gesagt, wir würden über unsere Bereitschaft geimpft, sobald wir dran wären, dafür gab es eine Liste. Aber das ist schon ein paar Tage her und ich denke mir, wenn ich hier jetzt ein offizielles Formular ausfüllen kann, warum nicht?

Also melde ich mich auch an – und vergesse es nach ein paar Tagen wieder.

Bis zwei Wochen später mein Handy piepst, eine Nachricht vom Impfzentrum: „Sie sind jetzt auf BayIMCO freigeschaltet für eine Terminvereinbarung“.

Wie, jetzt schon? Damit habe ich nicht gerechnet. Mich beschleicht sofort ein komisches Gefühl. Ist das fair? Drängel ich mich vor? So oft bin ich nun auch wieder nicht im Einsatz und ich weiß wenigstens, wie man eine FFP2-Maske aufsetzt. Dadurch fühle ich mich sehr gut geschützt.

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Bei Terminangebot lasse ich mich sofort impfen

Trotzdem mache ich einen Termin aus. Für mich war klar, ich warte so lange, bis ich dran bin. Aber wenn ich einen Termin bekomme, lasse ich mich sofort impfen. Keine Frage. Ich vertraue den Mechanismen der europäischen Zulassungsstelle und den Empfehlungen des RKI. Und ich hoffe, dass wir mit jeder Impfung einem normalen Leben wieder näher kommen. Trotzdem hätte ich nicht gedacht, so bald dran zu sein.

Eine Woche später stehe ich vor dem Impfzentrum. Es ist ein klirrend kalter Februartag. Mittags, 14 Uhr. Mein Impfzentrum ist in einem ehemaligen Autohaus untergebracht, so wie scheinbar viele. Vor mir warten noch sieben Leute unter einem neuen Holzvorbau, der aussieht wie eine Bude auf dem Weihnachtsmarkt. Es sind drei ältere Damen mit Begleiterinnen und ein großer korpulenter Mann, den ich auf Mitte 40 schätze.

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  • Die Frauen sind alt, müssen sie ja sein, weil eigentlich sind aktuell die über 80-Jährigen mit der Impfung dran. Die Haut ist wie Papier, die Gesichter schrumpelig unter vielen Lagen Kleidung und der FFP2-Maske kaum zu erkennen. Mir fällt auf, dass ich Menschen in diesem Alter schon seit Monaten nicht auf der Straße gesehen habe. Ob sie sich seit März vor dem Coronavirus in ihren Wohnungen verstecken? Ich hoffe, dass sie sich bald wieder ohne Angst vor die Tür wagen können.

    Mitarbeiter des Impfzentrums ruft die Polizei

    Meine Gedanken werden unterbrochen, der Mann vorne in der Schlange wird laut: „Meine Befunde gehen sie überhaupt nichts an, ich habe einen Termin und hier ist mein Personalausweis.“ Zwei stiernackige Securities mit Tattoos bis zum Hals versperren ihm den Weg. Sowohl im Impfportal als auch in der Terminbestätigung stand ausdrücklich, dass man einen Nachweis mitbringen muss, warum man jetzt schon an der Reihe ist mit Impfen. Die Vorgaben sind so streng wie der Impfstoff rar ist.

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    Wir stehen überhaupt nur hier, weil nach einem schweren Ausbruch in einem Pflegeheim Impfdosen übrig waren. Ich checke noch mal, dass ich neben meinem Impfpass auch meinen Bereitschaftsausweis dabei habe.

    Währenddessen schreit der Mann vorne weiter, jetzt in sein Telefon, anscheinend sitzt am anderen Ende der Leitung eine Mitarbeiterin vom Landratsamt. Doch sie kann ihm auch nicht helfen. Schließlich zieht er zwei Briefumschläge aus der Tasche, was es ist, bekomme ich nicht mit, aber es reicht scheinbar nicht. Und dann wird es plötzlich chaotisch: Der Mann versucht die Tür des Impfzentrums zu stürmen, die Türsteher blockieren ihm den Weg, er rennt gegen sie an, bis sie ihn zu Boden ringen und dort festhalten. Ein Mitarbeiter des Impfzentrums ruft die Polizei.

    Von der Anmeldung zum Arztgespräch

    Dann werde ich aufgerufen. Ich gehe rein und melde mich an, wie in der Arztpraxis. Am Empfang bekomme ich einen Bogen mit Hinweisen zur Impfung, dort wird erklärt, was Covid-19 ist, welchen Impfstoff ich bekomme (Comirnaty, der Impfstoff von Biontech), wie hoch die Wirksamkeit ist, welche Nebenwirkungen es gibt und welche Ausschlussgründe es für die Impfung gibt. Von der Anmeldung darf ich, ohne zu warten, zum Arztgespräch. Hier erläutert mir der Arzt noch einmal alles, was auf dem Bogen steht und ich dürfte noch Fragen stellen. Aber ich habe keine. Also misst der Arzt meine Temperatur und notiert sie auf dem Aufklärungsbogen. Außerdem klebt er den Impfstoff-Aufkleber in meinen Impfpass und schickt mich zur Impfärztin.

    Diese hält sich nicht mit Smalltalk auf. Sondern notiert nur die genaue Uhrzeit auf meinem Anmeldebogen, während ich den Ärmel hochrolle. Dann verpasst sie mir die Spritze. Fertig. Sie drückt mir das Klemmbrett in die Hand und schickt mich in den Warteraum. Hier muss ich 15 Minuten sitzen, um allergische Reaktionen auszuschließen.

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    Die Polizei ist da und befragt die Frau, die in der Warteschlange vorhin vor mir stand. Ich fühle in mich hinein, wie es mir geht, noch ein bisschen nervös von dem Zwischenfall am Eingang und die Einstichstelle schmerzt etwas, aber sonst, nichts. Alles gut.

    Selfie mit meinem Impfpass

    Nach 15 Minuten zeige ich der Security am Ausgang mein Klemmbrett mit der Uhrzeit und darf gehen. Auf dem Parkplatz mache ich ein Selfie mit meinem Impfpass: „Juhu, ich bin geimpft!“. Ich poste es auf Instagram, als Reminder für meine Freunde, sich auch auf dem Impfportal anzumelden. Dann fahre ich nach Hause. Dort warte ich auf mögliche Nebenwirkungen, mit denen ich fest rechne. Ich vertrage schon eine Grippeimpfung in der Regel eher schlecht. Ich bin also auf zwei Tage Bettruhe eingestellt. Aber es passiert nichts.

    Ich gehe jetzt anders auf die Straße. Ich bin optimistischer. Die Impfung ist da, die Leute lassen sich impfen, sie wollen sich impfen lassen. Jetzt ist es hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis das Leben wieder normaler wird, nicht „the new normal“, sondern „the normal normal“. Darauf freue ich mich.

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