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Zöliakie: Das bedeutet es wirklich, an Glutenunverträglichkeit zu leiden

Glutenunverträglichkeit ist die lebenslange Intoleranz gegenüber dem Klebereiweiß Gluten. Die Unverträglichkeit zu erkennen, ist gar nicht so leicht. Betroffene leiden an Übelkeit, Durchfall und Blähungen.

Immer häufiger diagnostizieren Ärzten eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Nach neusten Einschätzungen leidet mittlerweile jede hundertste Person an einer Unverträglichkeit gegenüber dem Eiweiß Gluten. Diese kommt in westlichen Ländern häufiger vor, als in Asien. Eine Glutenunverträglichkeit kann Menschen aller Altersgruppen treffen. Bereits Kleinkinder können an der Autoimmunerkrankung leiden.

Zöliakie ist mittlerweile die häufigste immunologische Ursache von Verdauungsstörungen und dennoch wird sie noch relativ selten erkannt. Ein Grund dafür ist, dass häufig untypische Symptome auftreten. Ein gänzliches Ausbleiben der Beschwerden ist ebenso möglich.

Gluten – ein nützliches Eiweiß

Gluten, ein Klebereiweiß, ist ein Verbund, der hauptsächlich aus Proteinen besteht. Es ist vor allem in den meisten Getreidesorten, allen voran Weizen, enthalten. Seine Funktion lässt sich anhand des Anteigens gut verdeutlichen. Wird Wasser zu Mehl gegeben, entsteht die Grundsubstanz eines Teiges. Der Teig wird elastisch, bleibt aber dennoch in sich stabil. Genau das ist die Funktion von Gluten. Das Protein kettet sich fest aneinander, dennoch bleibt der Teig dehnbar.

Ursachen einer Glutenintoleranz

Über die Ursachen einer Glutenunverträglichkeit ist noch wenig bekannt. Experten gehen davon aus, dass   die Genetik eine wichtige, aber nicht die alleinige Rolle spielt. 30 bis 40 Prozent der betroffenen Zöliakie-Patienten weisen eine genetische Vorbelastung auf, welche mittlerweile als Voraussetzung der Unverträglichkeit gilt. Auf diese Weise Vorbelastete tragen Eiweißzellen in sich, die sich auf bestimmte Immunzellen legen, welche dann eine Glutenintoleranz begünstigen. Deshalb haben Verwandte ersten und zweiten Grades ein erheblich höheres Risiko, eine Glutenunverträglichkeit zu entwickeln, als Unvorbelastete.

Bei gesunden Menschen verdaut der Dünndarm die Nahrung und zerlegt sie in Bestandteile. Anschließend  werden alle  verwertbaren Nährstoffe über die Dünndarmschleimhaut in den Blutkreislauf abgegeben. Nehmen Zöliakie-Patienten Gluten zu sich, riskieren sie eine Darmschleimhautentzündung. Ihre Nährstoffaufnahme ist dadurch eingeschränkt.

Symptome unterscheiden sich bei Jung und Alt

Die Symptome einer Zöliakie sind oft von Betroffenen zu Betroffenen verschieden und unterscheiden sich auch hinsichtlich ihres Alters. Bei Kindern und Jugendlichen lassen folgende Anzeichen häufig auf eine Zöliakie schließen:

  • Erbrechen
  • Durchfall (Diarrhoe)
  • Appetitlosigkeit
  • Blähungen (Meteorismus)
  • Entwicklungsstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Verlust von bereits erlernten Bewegungen

Im Erwachsenenalter sind folgende Symptome typisch:

  • unregelmäßiger Stuhlgang
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Gliederschmerzen
  • Untergewicht
  • Mangelerscheinungen von Vitaminen (B12 und D), Eisen und Kalzium

Je später eine Glutenunverträglichkeit auftritt, desto untypischer sind die Symptome. Mitunter treten Beschwerden auch monatelang oder gar nicht in Erscheinung.

Antikörper und Dünndarm-Biopsie geben Aufschluss über Zöliakie

Besteht der Verdacht einer Glutenunverträglichkeit, sind verschiedene Vorgehensweisen zur Diagnose möglich. Ein erster wichtiger Schritt bei der Diagnostik ist der Nachweis bestimmter Antikörper des Eiweißbausteins Gliadin. Diese bildet der Körper, wenn er Gluten als schädlich auffasst. Fällt der Test positiv aus, ist eine Gewebeprobe (Biopsie) der Dünndarmschleimhaut sinnvoll, um eine endgültige Diagnose stellen zu können.

Bei Kindern und Jugendlichen ist eine Probenentnahme nicht unbedingt nötig, sofern die Anzahl der Antikörper schon überdurchschnittlich hoch ist. Um das festzustellen, entnimmt der Arzt an mehreren Stellen kleine Proben, die dann auf die Häufigkeit von Entzündungszellen hin geprüft werden. Des Weiteren misst er die Darmzottenlänge, da Glutenintolerante verglichen mit gesunden Menschen kürzere oder kaum feststellbare Zotten besitzen.

Weitreichende Komplikationen sind möglich

Wird eine Glutenunverträglichkeit nicht behandelt, falsch oder gar nicht diagnostiziert, kann es zu Komplikationen kommen. Neben dem erheblichen Mangel an Nährstoffen, vor allem an Eisen, können Entwicklungsstörungen auftreten. Bei Frauen drohen gynäkologische Komplikationen, bis hin zu Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit. Durch eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut kann zudem Darmkrebs entstehen.

Tatsächlich ist nur eine Therapie sinnvoll – Alternativprodukte geben Hilfe

Die momentan einzig verlässliche Methode, die Symptome einer Zöliakie zu lindern oder zu beseitigen, ist der konsequente und dauerhafte Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel. Bei Beherzigung einer glutenfreien Ernährung regeneriert sich die Darmschleimhaut rasch, die Entzündung geht zurück und es bilden sich neue Darmzotten, die wieder ungehindert Nährstoffe aufnehmen können.

Betroffene sollten beachten, dass auch bei Beschwerdefreiheit ein Verzicht auf glutenhaltige Produkte ratsam ist. Denn einerseits regeneriert sich der Darm rasch, andererseits flammt eine Entzündung der Darmschleimhaut ebenso rasch wieder auf.

Zur Linderung der Beschwerden sollten Zöliakie-Patienten diese glutenhaltigen Getreidesorten meiden:

  • Weizen
  • Dinkel
  • Gerste
  • Roggen
  • Grünkern
  • Hafer

Diese glutenhaltigen Getreidesorten sind vor allem in Brot, Pasta, Müsli und Bier enthalten. Bei der Ernährungsumstellung ist jedoch Vorsicht geboten. Produkte, die auf den ersten Blick glutenfrei daherkommen, können trotzdem Gluten enthalten. Das gilt speziell für industriell hergestellte Nahrungsmittel, in denen glutenhaltige Bestandteile gerne als Bindemittel genutzt werden. Ein Blick auf die Verpackung hilft: Dort muss Gluten als Allergen kenntlich gemacht sein.

Doch egal ob Sie Lust auf Pasta, Backwaren oder ein Fertiggericht haben – mittlerweile bieten viele Hersteller wie Schär, Semper und Rewe eine ganze Reihe glutenfreier Produkte an. Geschmackvolle Alternativen zu glutenhaltigen Getreidesorten sind unter anderem

  • Hirse
  • Quinoa
  • Buchweizen
  • Amaranth

Damit steht selbst einem glutenfreien Kuchen nichts mehr im Wege.

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