Gesundheit

Tiere an mysteriöser Hundekrankheit in Norwegen verendet – erster Fall in Deutschland

Unter Hundehaltern in Norwegen geht die Angst um. Bei den Vierbeinern grassiert eine mysteriöse Krankheit, die tödlich enden kann. Tiermediziner forschen mit Hochdruck. Nun ist der Erreger auch bei einem toten Hund in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden.

Wie die "Lübecker Nachrichten" berichten, stellten Tierärzte die Bakteriengattung Providencia alcalifaciens fest, die zuvor auch in Norwegen bereits mindestens 25 Hunden das Leben kostete.

Ganz plötzlich ging es den Tieren schlecht, sie mussten sich erbrechen und bekamen blutigen Durchfall. In Norwegen sind aktuell geschätzt mehr als 100 Hunde erkrankt.

Wie das Nachrichtenportal weiter berichtet, wurden in einer Praxis in Bad Oldesloe einige Hunde mit Symptomen behandelt, die an die rätselhafte Krankheit in Norwegen erinnern. Das Veterinäramt in Stormarn sei informiert.

Sicherheitshinweise für Hundehalter

Eine weitere Tierarztpraxis in Bad Oldesloe erklärte unterdessen auf ihrer Webseite, dass "keinerlei Fälle der sogenannten 'Norwegischen Hundeseuche' nachgewiesen wurden." Dennoch veröffentlichte das Team Sicherheitshinweise für Hundehalter, die in Norwegen gelten.

So lange unklar ist, warum die Hunde krank werden, sind ihre Besitzer aufgefordert zu vermeiden, dass ihr Vierbeiner mit anderen Hunden in Kontakt kommt. In Oslo sind die beliebten öffentlichen Hundeplätze, wo die Tiere frei herumlaufen können, verwaist. Wer sein Tier Gassi führt, hält es an der kurzen Leine. Viele Halter haben Angst.

Auf Facebook veröffentlichte die Hundebesitzerin des toten Tieres aus Deutschland laut den "Lübecker Nachrichten" ein Statement, in dem sie angibt, weder in Norwegen gewesen zu sein, noch irgendeine Art von Kontakt gehabt zu haben. dpa/Ørn E. Borgen/NTB scanpix in Wissenschaftlerin obduziert Gewebeproben eines an der noch unbekannten Krankheit verstorbenen Hundes.

Infektion ist ein Rätsel

Für die Veterinäre ist die Infektion ein Rätsel. Sie wissen nicht, wodurch sie ausgelöst wird und ob sie ansteckend ist. Nur, dass es ganz schnell geht. Innerhalb von 24 Stunden kann ein gesundes Tier plötzlich tot sein. Doch nicht alle sterben daran. Die meisten, so versichert Asle Haukaas vom Veterinärinstitut in Oslo, könnten bei rechtzeitiger Behandlung wieder auf den Damm kommen.

Das Veterinärinstitut und die Lebensmittelaufsicht in Norwegen arbeiten nun mit Hochdruck daran, dem Erreger der Krankheit auf die Spur zu kommen. Das könnten Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten und Algen sein – oder die Folgen von Regen, Temperatur oder schlechter Wasserqualität. Auch frühere Fälle im In- und Ausland würden untersucht.

Erste Obduktionen weisen darauf hin, dass alle Hunde eine kräftige, blutige Darmentzündung hatten. Zwei Bakterien wurden bislang nachgewiesen: Providencia alcalifaciens und Clostridium perfringens.

"Bakterienerkrankungen spielen bei Hunden normalerweise nicht so die große Rolle", meint die deutsche Tierärztin Johanna Rieder von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Zwar seien Durchfallerkrankungen bei diesen Tieren relativ häufig. Doch dass so viele Hunde in einer Region so schnell stürben, sei nicht normal.

Vorsicht in Norwegen

So lange sie die Ursache nicht kenne, könne sie deutschen Hundebesitzern aber keinen konkreten Rat geben, außer vorsichtig zu sein, wenn sie nach Norwegen reisen sollten.   

Da es in dem skandinavischen Land kein zentrales Gesundheitsregister für Erkrankungen bei Hunden gibt, hat das Veterinärinstitut nun ein Schema an alle Tierärzte und –kliniken geschickt. Die Mediziner sind aufgefordert, alle Fälle von blutiger Diarrhö, Erbrechen und schlechtem Allgemeinzustand bei Hunden seit dem 1. August zu melden. "Die Formulare enthalten hoffentlich viele wertvolle Informationen, die helfen, die Ursache der Krankheit zu ermitteln", heißt es auf der Webseite des Veterinärinstituts. In Norwegen gibt es dem Norsk Kennel Klub zufolge rund 560 000 Hunde. 

Sicher ist bislang nur, dass die Tiere nicht vergiftet wurden. Auch eine Infektion mit Salmonellen oder Campylobacter kann ausgeschlossen werden.

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