Fitness

Trotz Nachhaltigkeitstrend: Deutschland produziert so viel Verpackungsmüll wie noch nie

Den eigenen Müll auf ein Minimum reduzieren, den Fleischkonsum einstellen und immer weiter anwachsende E-Mobilität – noch nie war das Thema Nachhaltigkeit so präsent wie in der heutigen Zeit.

Um die Umwelt zu schonen, sind viele Menschen bereit, ihre eigenen Gewohnheiten zu überdenken und ihr bisheriges Leben umzukrempeln.

Trotz der aktuellen Phase des Umdenkens, ist laut Ergebnissen des Umweltbundesamts (UBA) der entstandene Verpackungsmüll 2017 im Vergleich zum Jahr 2016 weiter gestiegen.

Diese Zahlen wurden im Rahmen der Europäischen Woche der Abfallvermeidung in einem Bericht zu Aufkommen und Verwertung von Verpackungen in Deutschland veröffentlicht.

Verpackungsmüll in Deutschland steigt weiter an

Insgesamt ergaben die Ergebnisse 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfall im Jahr 2017 – und das alleine in Deutschland. Dabei handelt es sich um Verkaufs-, Um-, Transport-, Mehrwegverpackungen, Verpackungen schadstoffhaltiger Füllgüter und Einwegbestandteile der Mehrwegverpackungen.

Im Vergleich zum Vorjahr 2016 steig die Menge an Abfall damit um weitere drei Prozent an.

Aus diesen Zahlen ergibt sich ein erschreckendes Ergebnis von durchschnittlich 226,5 Kilo Verpackungsabfall pro Kopf und Jahr. Private Endverbraucher waren an dem Gesamtaufkommen mit einem Anteil von 47 Prozent beteiligt – 3,8 Prozent mehr als noch 2016. Damals betrug der entstandene Müll noch 107 Kilo pro Kopf und Jahr.

Die Präsidentin des UBA, Maria Krautzberger erklärt: „Wir verbrauchen viel zu viele Verpackungen. Das ist schlecht für die Umwelt und für den Rohstoffverbrauch.“

Bildergalerie: 10 Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag

Wie kommt der steigende Verpackungsverbrauch zu Stande?

Der nach wie vor sehr hohe Verpackungsabfall lässt sich durch vielfältige Gründe erklären.

1. Wirtschaftswachstum

Durch die immer weiter ansteigende Wirtschaft werden immer mehr Produkten produziert und verkauft – dies führt zu mehr Verpackungsmüll.

2. Konzumgewohnheiten und Extrawünsche

Dosierhilfen und Wiederverschließbarkeit – die konsumorientierte Gesellschaft legt wert auf zusätzliche Funktionen einer Verpackung. Manche dieser Funktionen und Wünsche sind aber absolut unnötig und viel zu aufwendig verarbeitet.

3. Neue Trends erschweren das Recycling

Besonders kleinere Portionen, ein aktiver Versandhandel und Außer-Haus-Verzehr erfreuen sich steigender Beliebtheit – und fördern damit ebenfalls den Verpackungsmüll.

Zu viele Lebensmittel sind in Plastik verpackt

Beim Gang durch den Supermarkt fällt eines besonders auf: Viele Lebensmittel sind zum Teil mehrfach in Plastik oder andere Verpackungsmöglichkeiten gehüllt – keine davon ist nachhaltig.

Maria Krautzberger ergänzt: „Wir müssen Abfälle vermeiden, möglichst schon in der Produktionsphase. Auf unnötige und unnötig materialintensive Verpackungen sollte deshalb verzichtet werden. Häufig sieht man aber das Gegenteil und selbst die Zahnpastatube ist noch mal verpackt. Wir brauchen viel mehr Mehrweg, nicht nur bei Sprudel und Bier. Auch den Kaffee kann man im Mehrwegbecher mitnehmen und wer sein Essen mitnimmt, sollte das auch in Mehrwegbehältern tun können.“

Der Recyclingvorgang kann verbessert werden

Obwohl Deutschland beim Thema Recycling gut dasteht, gibt weiterhin Verbesserungsbedarf.

Vom gesamten Verpackungsabfallaufkommen konnten knapp 70 Prozent ins Recycling weitergeleitet werden – der Rest wurde größtenteils energetisch verwertet.

Die Recyclingquote sieht zwar weitgehend gut aus, variiert jedoch bei den unterschiedlichen Verpackungen – am höchsten ist sie bei Glas, Papier und Karton sowie Stahl. Die niedrigste Quote konnte bei Kunststoffen und Holz nachgewiesen werden.

Maria Krautzberger weiß: „Trotz der guten Recyclingquote müssen wir das Recycling und den Rezyklateinsatz weiter stärken, um Ressourcen zu schonen.“

Neues Gesetz legt Recyclingquote fest

Am 01.01.2019 wurde in der Bundesrepublik ein Gesetz eingeführt, das die Recyclingfähigkeit von Verpackungen verbessern und die Förderung von Mehrweg stärken soll.

Das Verpackungsgesetz regelt die aktuelle Recyclingquote und legt diese fest – Verpackungen aus Kunststoff müssen ab 2019 zu mindestens 58,5 Prozent der werkstofflichen Verwertung zugeführt werden. Im Jahre 2022 soll diese Quote auf 63 Prozent erhöht werden.

Zusätzlich wurde das öffentliche Verpackungsregister LUCID eingeführt – es erfasst alle Unternehmen, die Verpackungen in den Verkehr bringen und sich am Recycling der Verpackungen beteiligen.

Verstöße können so besser geahndet werden – die Aufsicht darüber hat das Umweltbundesamt.

Quellen

  • Umweltbundesamt (2019): Verpackungsverbrauch im Jahr 2017 weiter gestiegen, abgerufen am 18.11.2019: https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/verpackungsverbrauch-im-jahr-2017-weiter-gestiegen
  • Umweltbundesamt (2019): Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die hochwertige Verwertung von Verpackungen, abgerufen am 18.11.2019: https://www.bmu.de/gesetz/gesetz-ueber-das-inverkehrbringen-die-ruecknahme-und-die-hochwertige-verwertung-von-verpackungen/

Antonia Hagedorn

*Der Beitrag „Trotz Nachhaltigkeitstrend: Deutschland produziert so viel Verpackungsmüll wie noch nie“ wird veröffentlicht von FitForFun. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

Quelle: Den ganzen Artikel lesen