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Präsentismus: Warum sich niemand krank zur Arbeit schleppen sollte

Die meisten Arbeitnehmer haben es mindestens schon einmal getan: Trotz laufender Nase, Husten oder Kopfschmerzen zwingt man sich, zur Arbeit zu gehen – egal ob aus Pflichtgefühl oder aus Angst, im Ansehen des Chefs zu sinken.

Diese Phänomen bezeichnen Experten als Präsentismus.

Präsentismus: Jeder Fünfte geht auch krank zur Arbeit

Die repräsentativen Umfrage desAOK-Fehlzeitenreports 2018 zeigt deutlich, wie stark verbreitet dieses Verhalten ist. Mit 21,1 Prozent ist mehr als jeder fünfte Befragte entgegen dem Rat eines Arztes im letzten Jahr zur Arbeit gegangen.

Dieser Grundgedanke, seine Arbeit nicht vernachlässigen zu wollen, mag zwar löblich sein, bringt jedoch keine wirklichen Vorteile mit sich.

Denn wer sich angeschlagen zur Arbeit schleppt, der ist nicht nur weniger leistungsfähig, sondern steckt womöglich auch Kollegen an.

Außerdem gibt es keinen Grund, sich für ein krankheitsbedingtes Fehlen rechtfertigen zu müssen oder ein schlechtes Gewissen zu haben.

Gesteigertes Risiko für chronische Erkrankungen

Normalerweise sollte die eigene Gesundheit immer im Vordergrund stehen und Priorität haben. Doch viele Arbeitnehmer sehen das anders – und das kann durchaus negative Folgen haben.

Eine Gesundheitsstudie der Beratungsfirma Booz & Company hat ergeben, dass Präsentismus die Entwicklung chronischer Krankheiten begünstigt.

Logisch: Wer eine Erkältung nicht richtig auskuriert, muss damit rechnen, dass sie immer wieder zurückkehrt.

Dabei können verschleppte Infekte im schlimmsten Fall eine Lungen- oder sogar eine Herzmuskelentzündung nach sich ziehen. Deshalb sollten Symptome immer ernst genommen und im Zweifelsfall von einem Arzt beurteilt werden.

Bildergalerie: 25 Tipps, um eine Erkältung zu vermeiden

Präsentismus zahlt sich nicht aus

Übrigens rentiert sich Präsentismus nicht einmal für das Unternehmen: Er kostet Arbeitgeber laut der Studie doppelt so viel wie krankheitsbedingte Fehlzeiten. Das hat mehrere Gründe:

  • Oft sind die Beschäftigten in ihrer Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt und unproduktiver.
  • Daraus resultieren eine geringere Arbeitsqualität, häufigere Fehler und sogar mehr Unfälle am Arbeitsplatz.
  • Nur selten kann eine ähnliche Arbeitsmenge bewältigt werden wie sonst üblich.
  • Es kann sogar dazu kommen, dass ein Arbeitnehmer durch häufigen Präsentismus früher aus der Arbeitswelt ausscheidet.

Die deutsche Volkswirtschaft verliert so durch Arbeitnehmer, die trotz Erkrankung arbeiten gehen, rund ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Bei einem BIP von abgerundet 3,3 Billionen Euro (Jahr 2018) beträgt der Schaden durch Präsentismus damit 330 Milliarden Euro.

Experte rät: Bei Fieber lieber das Bett hüten

Doch wann ist man so krank, dass man unbedingt daheim bleiben und das Bett hüten sollte?

Der Allgemeinmediziner Jens Wagenknecht gibt genaue Anweisungen: „Grundsätzlich gilt: Bei Fieberreaktionen sind wir natürlich nicht in der Lage unsere Leistung auf gewohnte Art und Weise zu erbringen“, erklärt der Mediziner.

Die Antwort auf die Frage, ob man überhaupt fit genug ist für die Arbeit, bekommt man morgens nach dem Aufstehen automatisch schnell geliefert.

„Wer schon beim Aufstehen oder bei dem Versuch, sich anzuziehen, Schweißausbrüche bekommt oder generell unnatürlich und ohne Anlass viel schwitzt, der weiß mit Sicherheit, dass er nicht in der Lage ist, den Arbeitstag durchzustehen.“

Leichte Arbeit an der frischen Luft

Entscheidet man sich dennoch dazu, zur Arbeit zu gehen, sollten dort auf jeden Fall starke körperliche Anstrengungen vermieden werden.

„Auch die vermehrte Aufnahme von Flüssigkeit und Salz ist natürlich entscheidend, damit sich die Erkältung nicht noch weiter verstärkt“, weiß der Experte.

Ob man sich zur Arbeit quält oder nicht, sollte zudem vom Arbeitsplatz abhängig gemacht werden – denn nicht jede Umgebung eignet sich bei einer Erkältung gleich gut.

„Feucht-kalte Räume machen Erkältungserscheinungen immer erträglicher als ein warmer, trockener Raum“, erklärt Wagenknecht. „In diesen husten wir mehr, da ist die Nase verstopfter und man muss versuchen, die Schleimhäute durch feuchte und kalte Luft zu benetzen.“

Leichte Arbeit an der frischen Luft eigne sich bei Erkältungen am besten. „Ich glaube, dass sich jemand, der seine Aufgabe draußen zu erledigen hat, mit einer Erkältung besser fühlt, als eine Person im Büro.“

Menschen mit Bürojobs sollten also auf den Präsentismus verzichten und stattdessen lieber das Bett hüten oder dick eingepackt einen ruhigen Spaziergang an der frischen Luft unternehmen.

Quellen

  • booz&co (2011): Vorteil Vorsorge Die Rolle der betrieblichen Gesundheits- vorsorge für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland, abgerufen am 06.11.2019 https://www.felix-burda-stiftung.de/sites/default/files/documents/Studie_FBS_Booz_Vorteil_Vorsorge_2011.pdf
  • AOK-Bundesverband und Wissenschaftliches Institut der AOK (2018): Fehlzeiten-Report 2018 Sinnerleben im Beruf hat hohen Einfluss auf die Gesundheit, abgerufen am 11.11.2019 https://aok-bv.de/imperia/md/aokbv/presse/pressemitteilungen/archiv/2018/02pressemitteilung_pk_fzr_2018.pdf

Cornelia Bertram

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