Diät & Essen

Haltungsform: Was genau bedeutet die neue Kennzeichnung?

Die unterschiedlichen Kennzeichnungsmodelle auf verpackten Fleischprodukten können für die Verbraucher schnell verwirrend werden. Deshalb hat der Handel nun die Initiative ergriffen und ein einheitliches System eingeführt – damit kommt er der Politik zuvor. Doch was genau bedeuten die einzelnen Stufen des neuen Kennzeichnungssystem „Haltungsform“?

Ab dem 1. April haben die in der Initiative Tierwohl engagierten Supermarktketten wie Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl eine einheitliche Kennzeichnung der Tierhaltung auf verpackten Fleischprodukten eingeführt. Das neue Logo "Haltungsform" soll Verbraucher auf einen Blick darüber informieren, wie die Haltungsbedingung der Tiere war.

Eine Reihe von Handelsketten wie Lidl, Aldi oder Rewe hatte schon in den vergangenen Monaten eigene Kennzeichnungssysteme in Sachen Tierhaltung eingeführt. Aufgrund der Uneinheitlichkeit dieser Kennzeichnung, waren die Logos für den Kunden allerdings teilweise verwirrend, weswegen die Supermarkt-Ketten nun auf ein einheitliches System umsteigen.

So funktioniert die einheitliche Kennzeichnung "Haltungsform"

Das neue System bietet Informationen über die Haltung bei Rind- und Schweinefleisch sowie Geflügel und besteht aus vier verschiedenen Stufen, beginnend bei der gesetzlichen Mindestanforderung. Die Kennzeichnung "Haltungsform" ist allerdings kein eigenes Prüfprogramm. Das erklärte auch Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung.

Er sagte laut ZDF: "Es ist kein neues Prüfprogramm, es ist kein neues Label, sondern es ist eine Einordnung, ein Rahmen für die bestehenden Programme die es schon gibt."

Die Produkte werden folgenden vier Kategorien zugeordnet:

obs/Kaufland/ITW Ab April kennzeichnen viele große Supermarktketten verpackte Fleischprodukte mit dem Logo „Haltungsform“.

  • 1. Haltungsform: Stallhaltung (rot)
  • 2. Haltungsform: StallhaltungPlus (blau)
  • 3. Haltungsform: Außenklima (orange)
  • 4. Haltungsform: Premium (grün)

Wir erklären Ihnen, was die einzelnen Stufen genau bedeuten.

Die vier Stufen und ihre Kriterien:

Die einzelnen Stufen werden hauptsächlich durch den Platz, der den Tieren zur Verfügung steht, den Zugang zu Frischluft und die Beschäftigungsmöglichkeiten der Tiere definiert. Zum Futter wird erst ab Stufe drei eine Vorgabe gemacht.

1. Haltungsform: Stallhaltung

Die erste Haltungsform entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen für die Tierhaltung.

Schwein

  • Platzvorgabe: mindestens 0,75 m2 pro Tier
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Beschäftigungsmaterial: mindestens eine bewegliche Kette kombiniert mit verändertem Material, wie zum Beispiel Weichholz

Hähnchen

  • Platzvorgabe: maximal 39 kg/m2
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Beschäftigungsmaterial: ständiger Zugang zu trockener Einstreu

Puten

  • Platzvorgabe: maximal 58 kg/m2
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Beschäftigungsmaterial: ständiger Zugang zu trockener Einstreu

Jungbullen/Ochsen, Färsen, Mastkälber

  • Platzvorgabe: 1,5 m2 – 1,8 m2 (je nach Gewicht) für Mastkälber in Gruppenhaltung
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1

Schlachtkühe

  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1
  • Haltung: keine Vorgabe
  • Ruhebereich: wenn Liegeboxen vorhanden sind, dann müssen diese eingestreut sein oder eine Gummiauflage haben

2. Haltungsform: StallhaltungPlus

Die Haltungsform "StallhaltungPlus" sichert den Tieren etwas mehr Platz im Stall sowie zusätzlichem Beschäftigungsmaterial. Zugang zu frischer Luft haben die Tiere allerdings nicht. Auch zum Futter gibt es keine Vorgabe.

Schwein

  • Platzvorgabe: mindestens 10 Prozent mehr als gesetzlich vorgeschrieben
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Beschäftigungsmaterial: zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial

Hähnchen

  • Platzvorgabe: maximal 35 kg/m2
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Beschäftigungsmaterial: organisches Beschäftigungsmaterial, wie zum Beispiel Stroh oder Picksteine

Puten

  • Platzvorgabe: maximal 53 kg/m2
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Beschäftigungsmaterial: organisches Beschäftigungsmaterial, wie zum Beispiel Stroh oder Picksteine

Jungbullen/Ochsen, Färsen, Mastkälber

  • Platzvorgabe: über 300 kg mindestens 3 m2 pro Tier
  • Haltung: keine Vorgabe
  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1

Schlachtkühe

  • Platzvorgabe: über 300 kg mindestens 4 m2 pro Tier
  • Haltung: Laufstallhaltung, keine Anbindung
  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1

3. Haltungsform: Außenklima

Bei Fleisch, das mit der Haltungsform "Außenklima" gekennzeichnet ist, haben alle Tiere Zugang zu frischer Luft. Außerdem werden die Tiere in dieser Kategorie gentechnikfrei gefüttert.

Schwein

  • Platzvorgabe: mindestens 40 Prozent mehr als gesetzlich vorgeschrieben
  • Außenklima: mindestens Offenfrontstall
  • Beschäftigungsmaterial: organisches Beschäftigungsmaterial und zusätzlich Stroh

Hähnchen

  • Platzvorgabe: maximal 25 kg/m2 bzw. maximal 29 kg/m2 (bei einem Stall mit Kaltscharraum)
  • Außenklima: Zugang zu einem Außenklimabereich
  • Beschäftigungsmaterial: mindestens zwei organische Beschäftigungsmaterialien aus veränderbarem und sich verbrauchendem Material wie zum Beispiel Stroh oder Picksteine je angefangener 150 m²

Puten

  • Platzvorgabe: mindestens 20 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben
  • Außenklima: Zugang zu einem Außenklimabereich
  • Beschäftigungsmaterial: mindestens zwei organische Beschäftigungsmaterialien aus veränderbarem und sich verbrauchendem Material wie zum Beispiel Stroh oder Picksteine je angefangener 400 m²

Jungbullen/Ochsen, Färsen, Mastkälber

  • Platzvorgabe: über 300 kg mindestens 4 m2 pro Tier
  • Haltung: Laufstall mit Außenklima oder Weide, keine Anbindung
  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1

Schlachtkühe

  • Platzvorgabe: über 350 kg mindestens 5 m2 pro Tier
  • Haltung: offener Laufstall und zusätzlich Laufhof oder Weide, keine Anbindung
  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1

4. Haltungsform: Premium

Die Haltungsform "Premium" ist die höchste Kategorie, hier soll auch Bio-Fleisch eingeordnet werden. Auch in dieser Stufe muss das Futter gentechnikfrei sein, außerdem muss bei Schweinen, Hähnchen und Puten mindestens 20 Prozent des Futters aus dem eigenen Betrieb oder aus der Region stammen. Bei Jungbullen und Schlachtkühen sind das sogar mindestens 60 Prozent.

Schwein

  • Platzvorgabe: mindestens 100 Prozent mehr als gesetzlich vorgeschrieben
  • Außenklima: zusätzlich ständiger Zugang zu Auslauf
  • Beschäftigungsmaterial: Stroh oder andere Substrate müssen immer verfügbar sein

Hähnchen

  • Platzvorgabe: maximal 21 kg/m2
  • Außenklima: Zugang zu Freigelände (während mindestens 1/3 der Lebenszeit) mit überwiegend bewachsener Fläche
  • Beschäftigungsmaterial: Streumaterial auf mindestens 1/3 der Stallfläche

Puten

  • Platzvorgabe: mindestens 60 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben (21kg/m2)
  • Außenklima: Zugang zu Freigelände (während mindestens 1/3 der Lebenszeit) mit überwiegend bewachsener Fläche
  • Beschäftigungsmaterial: mindestens zwei organische Beschäftigungsmaterialien aus veränderbarem und sich verbrauchendem Material wie zum Beispiel Stroh oder Picksteine je angefangener 400 m²

Jungbullen/Ochsen, Färsen, Mastkälber

  • Platzvorgabe: über 350 kg mindestens 5 m² pro Tier (jedoch mindestens 1 m² / 100 kg)
  • Haltung: Auslauf und Weidegang während der gesamten Vegetationsperiode
  • Tier-Liegeplatz und Tier-Fressplatzverhältnis: 1:1

Schlachtkühe

  • Platzvorgabe: über 350 kg mindestens 5 m² pro Tier
  • Haltung: offener Laufstall und zusätzlich Laufhof oder Weide, keine Anbindung
  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1

(Quelle: haltungsform.de)

Mit der Kennzeichnung "Haltungsform" kommt der Handel der Politik zuvor

Mit der neuen Kennzeichnung wird der Handel vor der Politik aktiv. Das von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) geplante staatliche Label, das bessere Tierwohl-Bedingungen anzeigen soll, soll erst 2020 kommen und dann auch vorerst nur für Schweine gelten.

Grünen-Ernährungsexpertin Renate Künast sagte, es sei gut, dass die Branche jetzt vorangehe und selbst eine Haltungskennzeichnung einführe. "Das Klöckner-Label ist damit gescheitert, bevor es starten konnte." Die CDU-Politikerin müsse die gesetzlichen Mindeststandards anheben.

Kritik an der neuen Kennzeichnung

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte die Kennzeichnung als "Mogelpackung". Sie gaukele Verbrauchern vor, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Ställen maßgeblich verbessern, sagte Foodwatch-Experte Matthias Wolfschmidt der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe aber nur um formale Haltungsbedingungen. "Das garantiert nicht, dass es den Tieren gut geht."

Quelle: Den ganzen Artikel lesen